Barcelona im kalten Wind

Nee, mit Barcelona werde ich einfach nicht richtig warm, was nicht am ziemlich kalten Wind an diesem Apriltag lag. Es war Herrn Grillenscheuchers und meine dritte Stippvisite auf einer Kreuzfahrt in dieser Stadt. Das erste Mal hatten wir die Größe der Stadt vollkommen unterschätzt und gerieten ziemlich in Stress, um das Schiff rechtzeitig zu erreichen. Das zweite Mal haben wir eben deshalb Tickets für einen Hop-On-Hop-Off-Bus im Voraus gebucht. Unterwegs in so einem Bus bekamen wir allerdings Schiss, dass er im Stau stecken bleiben könnte, und gerieten deshalb ziemlich in Stress. Dieses Mal hatten wir uns extra nur das gotische Viertel vorgenommen. Immerhin sind wir endlich nicht in Stress geraten. Nur in den Wind.

Morgens war noch alles gut. Die Sonne schien. Es war warm. Das Schiff war relativ leer und ich konnte ein menschenfreies Foto von unserer liebsten Aussichtbar machen.

An dieser Stelle möchte ich nochmal anmerken, dass die weißen Sessel mit den schwarz-weißen Hockern zwar sehr stylisch und bequem aussehen, letzteres aber absolut nicht sind. Man hängt irgendwie unbequem da drin und kommt dann nur schwer wieder raus. Das Aussehen ist eben nicht alles.

Hinter uns lag die Viking Sea, deren Infinity-Pool mich total fasziniert hat. Wie es wohl ist, dort auf offener See drin zu sein? (Allein am besten natürlich.)

 

Während Herr Grillenscheucher und ich noch mit den Morgenritualen beschäftigt waren, wurde unser Schiff fleißig entladen. Puh, bei den Mengen, die sie von Bord schafften, hatten wir schon Sorge, abends hungern und dursten zu müssen. 😉

Am späten Vormittag standen wir an der Haltestelle für den offiziellen Hafen-Shuttlebus. Wir mussten eine ganze Weile warten bis uns einer auch endlich einsteigen ließ. Aber die Sonne schien und wir waren frisch verheiratet. 🙂 An der Columbus-Statue endete die Fahrt.

Ein kleines Stück sind wir die sog. Ramblas lang gelaufen und sind dann schnell nach rechts ins gotische Viertel abgebogen. Die Ramblas bestehen hauptsächlich aus Touri-Nepp, finde ich. Wer außer Touristen würde sich selbst sonst als Karikatur malen lassen wollen? 🙄

Das gotische Viertel ist eigentlich ganz süß. Es gibt viele kleine Läden und noch mehr Gassen, aber so gut wie keinen Baum. Graue, grau-gelbe oder gelbe Fassaden ohne lebendiges Grün. In solchen Umgebungen habe ich immer das Gefühl, wie eine Primel einzugehen.

 

Die Kirchen finde ich besonders trist. Wir kamen an der Basilika Santa Maria del Pi und am Dom vorbei. Lebensfroh ist für mich irgendwie was anderes, aber das sollen Kirchen ja wohl leider auch nicht sein.

Die große Markthalle Santa Caterina hingegen hat ein lustiges buntes Wellblechdach und ist auch sonst sehenswert.

Draußen allerdings pfiff inzwischen ein fieser kleiner kalter Wind um jede Ecke und ich fror. Deshalb begaben Herr Grillenscheucher und ich uns langsam auf den Rückweg. Gegen die triste Umgebung gab es unterwegs künstliche Sonnenblumen, Plakate und bunte Wassereis-Kühltruhen zu sehen.

Zum zweiten Mal an diesem Tag kamen wir zum Placa Reial, den ich wirklich gern mag. Wahrscheinlich, weil es dort immerhin Palmen gibt.

Dort fanden wir sogar ein weitgehend windstilles Eckchen vor einer Cerveseria und machten eine Pause mit einem Stück Tortilla Espanola, das genauso wie der Cappuccino sehr lecker war.

Auch Donany gefiel es dort:

Und dann ging es schnellen Schrittes durch den kalten Wind zur Haltestelle vom Hafen-Shuttlebus.

Im Bus trafen wir I. und N. und wurden nochmal herzlich zur Hochzeit beglückwünscht. 🙂

Zurück auf unserem Lieblingsschiff haben wir alles für die Abreise am nächsten Tag vorbereitet und sind anschließend zum letzten Ablegen auf die Aussichtbar gegangen. Wider Erwarten gab es keine Tränen, sondern Freude über diese letzte wunderschöne Fahrt mit der Mein Schiff 1. Alle hatten ein Lächeln auf den Lippen – richtig schön.

Ein letztes Mal waren Herr Grillenscheucher und ich im Atlantic essen und hinterher im Casino. Dort haben wir uns von allen verabschiedet und danach noch eine Weile von unserem Balkon aufs Meer geguckt. Ob wir das wohl jemals wieder auf diese Art und Weise tun werden können?

Ackern auf dem Balkon

Drei Tage habe ich nun auf meinem Balkon geackert im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt spüre ich quasi jeden Muskel vom Schleppen der Kübel und Kästen, vom Bücken und Heben und vom Mischen der Erde. Aber ich bin glücklich und zufrieden und wirklich stolz, dass ich alles geschafft habe. Gestern Nachmittag sah es noch nicht danach aus. Ein einziges Chaos auf meinem Balkon:

Es war super, dass das Wetter so toll mitgespielt hat. Sonnenschein pur und kein Regen in Sicht. So konnte ich abends das Chaos einfach stehen lassen und musste nicht befürchten, dass ein Regenguss den offenen Sack Erde in Klackermatsch verwandelt. Lediglich der Wind war einigermaßen nervig und versuchte dauernd, mir die Erde von der Schaufel zu pusten. Ich habe gewonnen. 😉

Heute am späten Nachmittag war es dann endlich soweit: alle Saat war verbraucht, die Mehrjährigen hatten frische Erde und neuen Dünger und einige davon habe ich umgetopft, auch die Zimmerpflanzen hatten frische Erde und neuen Dünger, alles auf dem Balkon war geputzt – sogar die Fenster.

 

Die Erdbeeren tragen ganz viele Früchte. Wenn sie doch nur endlich rot werden würden! Die Kiwi hat angefangen auszutreiben und die Pfingstrose trägt fette Knospen.

Für die Lichtkeimer, die bei dem Wind weg geweht worden wären, hatte ich dieses Jahr eine geniale Idee. Ich habe die leeren Tüten der Kokoserde auseinander geschnitten, die Töpfe und Kästen damit bedeckt und die Plastikfolie mit Wäscheklammern und Steinen befestigt. Müsste doch eigentlich ähnlich wie im Gewächshaus sein.

Gegen den Anmarsch der Wespen hatten Herr Grillenscheucher und ich bereits im Winter diverse Varianten überlegt. Eigentlich sagt man ja, dass Wespen nicht nochmal ein Nest an derselben Stelle bauen. Das kann ich nicht bestätigen. Wieder versuchten sie, ihr Nest direkt neben meiner Balkontür unter die Dachabdeckung zu bauen. Als erstes stopfte Herr Grillenscheucher Stahl-Putzschwämme in die Lücken zwischen Holzwand und Abdeckung:

Das trug schon zu einiger Irritation bei den Wespen bei, aber sie fanden trotzdem einen Weg dran vorbei. Im Internet wird oft empfohlen, alles lückenlos mit Bauschaum dicht zu machen. Das finde ich schwierig – wer weiß, wozu die Lücken beim Bauen gelassen wurden? Außerdem kriegt man Bauschaum da nicht wieder so ohne weiteres raus, die Schwämme schon. Dann habe ich gelesen, dass Wespen den Geruch von Lavendel nicht mögen. Ha, damit kann ich dienen! Ich habe Küchenpapier mit ein wenig Lavendelöl beträufelt und es vor den Eingang zum entstehenden Nestes gehängt.

Hui, da wurden die Wespenaugen aber groß. Das fanden sie so richtig eklig. Und endlich bin ich sie los. Also, sie dürfen ja gern kommen und hier und da rumknabbern, aber ein Nest möchte ich nicht nochmal auf meinem Balkon haben.

Salerno und überraschend verliebt

Welch ein Glück, dass ich unbedingt Briefmarken kaufen und die letzten Postkarten abschicken wollte. 🙂 Wer weiß, ob wir sonst überhaupt in Salerno von Bord gegangen wären. Herr Grillenscheucher hatte vor der Reise nichts Vielversprechendes im Internet über diese Stadt gelesen und mir hatte eine Freundin erzählt, dass sie früher aus familiären Gründen öfter dort war und Salerno pottenhässlich fand.

Vom Schiff aus sah Salerno gar nicht so schlecht aus. Vor allem der grandiose Sonnenschein. 😉

Nachdem Herr Grillenscheucher und ich in Ruhe aufgestanden waren und ebenso in Ruhe gefrühstückt hatten, sind wir auf die Briefmarken-Suche gegangen. Man durfte den Hafen nicht zu Fuß durchqueren, sondern musste einen Bus nehmen. Die TUI verlangte mal wieder 9 € pro Nase, aber eben weil man nicht zu Fuß gehen durfte, gab es auch einen kostenlosen Hafenshuttle. Es war gar nicht so einfach, den zu finden. Wer braucht schon eine Ausschilderung, wenn man auch das Gespräch suchen kann? 🙄 Schließlich saßen wir im richtigen Bus und wurden gerade mal 200 m durch den Hafen kutschiert. Der TUI-Bus fuhr noch etwa 500 m weiter, hätte uns aber diverser Anblicke beraubt. Und außerdem muss man sich doch ernsthaft fragen, wieso 700 m hin plus 700 m zurück 9 € kosten.

Auf besagten 500 m kamen wir an einem Fischladen vorbei und hatten einen grandiosen Blick auf das Kastell.

Dann erreichten wir die Hafenpromenade mit einem wunderhübschen Park, in dem gerade das Leben tobte. Kein Wunder, denn es war ja Samstag und die Sonne schien. Einen kleinen Strand gibt es dort auch, allerdings ist das Baden im Meer verboten.

Irgendwann mal fuhr dort offenbar mal eine Bahn und direkt am Park gibt es eine Menge imposante Bauten.

Wir wandten uns ein bisschen ungern vom Park und Meer ab und schlenderten durch die Haupteinkaufsstraße.

Unterwegs fragte Herr Grillenscheucher in jedem auffindbaren Tabacchi nach Briefmarken und so langsam gewannen wir den Eindruck, dass das heute wegen Samstag nichts mehr wird. Die Post am Bahnhof hatte natürlich geschlossen und auch keinen Briefmarken-Automaten. So ein Mist! Wir bewunderten eine leider geschlossene Kirche direkt am Bahnhof.

Etwas unschlüssig standen wir gleich daneben an einer Kreuzung rum und ich warf zum Glück noch einen Blick zurück. Ha, ein weiterer Tabacchi! Und dieser hatte tatsächlich Briefmarken und sogar welche für’s Ausland. Juchuh, die Postkarten konnten auf die Reise gehen und wir konnten ohne weitere Aufgabe Salerno genießen. Kreuz und quer sind wir gelaufen – zuerst Richtung Kathedrale.

 

Die Kathedrale hat uns total beeindruckt. Es gibt einen ganz stillen Innenhof, in den man durch zwei verschiedene Torbögen kommt.

Rein geht es durch ein weiteres Tor und dort haben wir auch nicht schlecht gestaunt.

In der Krypta allerdings haben wir vor lauter Staunen den Mund gar nicht mehr zu gekriegt. Die Wände und Decken waren über und über bemalt und verziert. Es fiel mir echt schwer, nicht in irgendeiner Form laut zu werden vor lauter Begeisterung. Aber sowas ist eben unangebracht an solchen Orten und ganz besonders dann, wenn dort gerade betende Menschen sitzen. Das hielt allerdings irgendeinen Touristen-Trottel (wahrscheinlich einer von unserem Schiff) nicht davon ab, quer durch den Raum seiner Frau irgendeine seiner Beobachtungen zuzurufen. Himmel, war das peinlich! Seiner Frau auch, die allerdings trotzdem weder die Schultern noch die Knie bedeckt hatte, wie es in katholischen Kirchen Usus ist. Ich glaube, ich werde diese Menschen nie verstehen, die andere Lebensgewohnheiten so komplett ignorieren.

Anschließend saßen Herr Grillenscheucher und ich eine Weile auf den Stufen vor der Kathedrale und haben verschnauft. Donany auch.

 

Nachdem vor allem ich mich erholt hatte, ging es weiter bergauf. Wir suchten den Giardini della Minerva und kamen durch irrwitzig schmale Gassen, über Plätze und an Kirchen vorbei. Wow, ist das eine grandios verwinkelte Stadt!

Nach vielen Höhenmetern hatten wir endlich den Minerva-Garten erreicht, um dort festzustellen, dass er Eintritt kostet. Wie blöd, denn um den auszunutzen, hatten wir leider nicht mehr genug Zeit. Also musste ein Blick hinein genügen und dann ging es für uns wieder abwärts.

Noch eine Gasse und eine verschlafene Katze und dann sahen wir einen öffentlichen Fahrstuhl. Der Blick von dort oben über die Dächer war wunderbar.

 

Unten mit dem Fahrstuhl angekommen standen wir auf der Piazza Matteo D’Aiello, deren Häuserwände alle mit Gedichten bemalt wurden. Was für eine tolle Idee!

Herr Grillenscheucher und ich schlürten weiter durch die Gassen und ich wünschte mir allmählich einen Ort zum Rasten, Essen und Trinken. Mein Wunsch wurde fast prompt erfüllt. Vorher gab es weitere Gassen, Läden und Hausfassaden.

Wir hatten die Wahl zwischen zwei sehr hübschen Cafés und nahmen das, vor dem ein Tisch mit einem Aschenbecher drauf stand. Klar, oder? Herr Grillenscheucher verhandelte mit der Bedienung um die Belege auf unserem Panini und heraus kam eine sehr leckere Kombination aus Schinken, Tomaten und Mozzarella. Der leckere Cappuccino war so schnell ausgetrunken, dass es nur noch ein Posthum-Foto gab. Und Donany hat sich auch sehr wohl gefühlt.

Das Café gegenüber sah auch sehr einladend aus, allerdings saßen davor diverse eher seltsame Typen, die ich links einfach aus dem Foto geschnitten hab.

Wohlig gestärkt haben wir uns auf den Weg zurück Richtung Schiff gemacht und wir konnten uns kaum satt sehen an dieser schönen, leicht morbiden Stadt. Vollkommen überraschend hatten wir uns in Salerno verliebt.

Auf unserem Weg zurück zum Schiff kamen wir an einem weiteren Park vorbei und haben uns dort glücklich noch ein bisschen aufgehalten.

Unterwegs haben wir ein sehr „interessantes“ Schild an einem Behindertenparkplatz gesichtet, auf dem steht: „Willst Du meinen Parkplatz? Dann nimm meine Behinderung.“. Ob das wohl hilft?

Hach, ich hätte bleiben mögen in dieser wunderhübschen Stadt! Aber wir mussten ja zurück aufs Schiff. Auf dem Weg dorthin gab es weitere interessante Häuser zu betrachten bis wir an der Bushaltestelle am Hafen saßen und warteten, warteten und warteten.

Wir waren geduldig, denn wir hatten ja auch keine Eile. Schließlich kamen wir an unserem Lieblingsschiff an und hatten im Hafen freies WLAN.

Hach, wie gut, dass wir Briefmarken kaufen mussten! Darüber haben wir uns noch den ganzen Abend gefreut und natürlich auch über Salerno, das so viel schöner war als wir es erwartet hatten.

Das Auslaufen haben wir wie üblich von der Aussichtbar beguckt.

Das erste Mal auf dieser Reise sagten uns die Speise-Ideen im Atlantic überhaupt nicht zu. Deshalb gab es als Vorspeise Erdnüsse im Casino, während wir das Spiel HSV gegen wen-auch-immer guckten, das dort gerade übertragen wurde. Eigentlich sind wir beide nicht sonderlich am Bundesliga-Fußball interessiert, aber dass der HSV mal wieder kurz vorm Abstieg stand, hatten wir natürlich mitbekommen. Nach all den Jahren der Zitterpartien am Saisonende sollte es doch langsam mal klappen mit der zweiten Liga. Dieses Spiel trug allerdings nicht dazu bei: Überraschenderweise gewann der HSV und spielte gar nicht schlecht.

Danach haben wir das Essen im La Vela probiert und waren ziemlich enttäuscht. Frisch ist echt was anderes. Ein Burger im Cliff 24 wäre vermutlich leckerer gewesen… Aber gut, kein Urteil ohne Test, gell.

Herrn Grillenscheuchers Balkonien

Das lange Pfingstwochenende wartete mit superduper Sonnenschein-Wetter auf und Herr Grillenscheucher und ich haben seinen Balkon genossen. Da ist schon alles gepflanzt und gesät und sieht wunderschön grün aus.

Der Majoran wurde kreativ in Sternform ausgesät. Daneben steht das Chili-Baby, das er mir geschenkt hat. Hoffentlich wächst es zu einer kräftigen Pflanze heran. Immerhin wurde die Saat in Kamillentee gebadet bevor sie in die Erde kam. Das stand in der Anleitung auf der Saattüte. 😮

Vor dem Balkon von Herrn Grillenscheucher blüht gerade die Robinie ganz wunderhübsch.

Es war sehr schön entspannend dort draußen. Blöd nur, dass mein Balkon noch längst nicht so weit ist. Dort sieht es gerade so aus:

Die Arbeit guckt mich gerade von draußen durch die Fenster an. Wie gut, dass ich diese Woche Urlaub habe und mich der Sache stellen kann. Zum Glück hat Herr Grillenscheucher gestern bereits die Erde und die Balkonmöbel aus dem Keller hoch geastet und den Sonnenschirm befestigt. Ich kann also pflanzen und säen und alles sommerfein einrichten.

Valletta oder bergauf, bergab

Letztes Jahr startete unsere Kreuzfahrt in Valletta auf Malta und wir hatten kurz die Gelegenheit, uns diese entzückende Stadt anzusehen. Deshalb haben wir uns ganz besonders darüber gefreut, dass wir dieses Jahr wegen des Umroutens (der geplante zweitägige Stopp in Istanbul wurde von der TUI abgesagt und stattdessen bekamen wir Mykonos und Valletta zu sehen) einen ganzen Tag für sie Zeit haben würden. Noch dazu an einem Wochentag, einem Donnerstag, der Menschen auf den Straßen und geöffnete Läden verhieß. Letztes Jahr waren wir an einem Sonntag da und die mit Jalousien verschlossenen Ladenfenster machten uns schon ziemlich neugierig.

Um 8 Uhr klingelte unser Wecker, denn für 9 Uhr war die Balkonreinigung angekündigt. Bis dahin mussten wir also unser gemütliches Aufwach-Ritual mit Kaffee bzw. Espresso aus der Nespresso-Maschine und Zigarette abgeschlossen haben. Stress! 😉 Vom Balkon aus sahen wir eine Reihe Pferdekutschen-Parkplätze unter einem Blechdach.

Herr Grillenscheucher und ich haben in Ruhe gefrühstückt und anschließend einen anständigen Kaffee in der Außenalsterbar getrunken. Der Kaffee, den man sich am Frühstücksbuffet zapfen kann, sieht nämlich maximal nach Kaffee aus, schmeckt aber wie heißes Wasser. Deshalb haben wir dort stattdessen immer Orangensaft getrunken – ist ja auch viel gesünder. 😉 Außerdem fingen wir auf dieser Reise an, die Außenalsterbar zu lieben. Das erste Mal nach all den Jahren wurde man dort nämlich wirklich nett bedient und nicht nur dann, wenn man schon genügend Trinkgeld hinterlassen hatte.

Der Himmel war bedeckt und es war im Verhältnis zu den vorherigen Häfen eher kühl. Als wir uns mit C. und M. am späten Vormittag trafen, um gemeinsam von Bord zu gehen, hatte ich mich wärmer eingepackt, was sich als genau richtig erwies. Denn auch als der Himmel später auf zog, blieb uns der kühle Wind erhalten.

Kaum waren wir von Bord und raus aus dem Hafengelände, musste ich nochmal die Pferdekutschen fotografieren. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Pferde liebe?

Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass Menschen sich von diesen doch relativ kleinen Tieren – so im Vergleich zu Brauerei-Pferden z.B. – über den Asphalt steil bergauf und bergab ziehen lassen. Leider mussten wir im Laufe des Tages sehen, dass sie es doch tun. Sogar gequetscht zu fünft in dem kleinen Wagen – es war ganz gruselig. 🙁

Wir haben natürlich keine Kutsche genommen, sondern den Fahrstuhl zu den Upper Barrakka Gardens.

Dort sind wir ein wenig gewandelt und haben auf den traditionellen Kanonenschuss um 12 Uhr gewartet, der immer von einer anderen Kanone abgeschossen wird.

Der Garten ist klein und gemütlich.

Und wir hatten einen schönen Blick von dort auf einen Jachthafen und auf unser Schiff. Von letzterem konnten wir einen Teil des Bereichs sehen, der nur für die Crew bestimmt ist: das kleine blaue Rechteck in einem etwas größeren grünen Rechteck vorn auf dem Schiff ist nämlich der Crew-Pool.

Nachdem das Kanonenschuss-Spektakel vorbei war, sind wir eher ziellos durch Valletta gelaufen. Bergauf und bergab. Die Straßen der Stadt waren mit allem möglichen geschmückt. Warum genau, konnten wir nicht raus finden. Vielleicht weil Valletta 2018 europäische Kulturhauptstadt ist?

Die Knie von M. fanden das Auf und Ab relativ schnell nicht mehr witzig und die beiden machten sich auf den Weg zurück aufs Schiff. Herr Grillenscheucher und ich durchstromerten weiter die Stadt und ab und zu legte ich mein Veto gegen noch mehr hoch und runter ein.

Wir beguckten die Karmeliterkirche von außen und innen.

Aus der Ferne sahen wir das Fort Manoel und aus der Nähe einen Haufen Tauben, die sich um ein Kinderspielzeug versammelten – im Hintergrund sind die durchaus auch vorhandenen Neubauten Maltas zu sehen. In diesem Fall sind es die von Sliema. Und wieder gab es einen Pferdekutschen-Parkplatz.

Auf unseren Wegen kreuz und quer durch die Stadt kamen wir immer wieder am St. George’s Square vorbei. Zum Glück gibt es dort in der Nähe öffentliche Bänke, wo wir eine kurze Pause einlegen konnten.

 

Immer wieder gab es religiöse Skulpturen an Eckhäusern – die Stadt ist quasi voll damit.

Und entgegen unserer Annahme, an einem ganz normalen Donnerstag würden alle Läden geöffnet sein, standen wir wieder vor runter gezogenen Jalousien. Hübsch sind sie trotzdem.

 

Ein paar geöffnete Läden gab es aber auch. U.a. der Süßigkeiten-Laden, den wir schon letztes Jahr mit großen Augen beguckt hatten. Dort gab es wie geahnt so Sachen wie Lakritzschnecken für 10 Cent, aber auch – passend zur Jahreszeit – Ostereier im Sonderangebot. Und ein paar Meter weiter gibt es eine Männerboutique. 😉

Immer wieder blitzen Kuppeln zwischen den engen Straßen auf.

Valletta wartet mit einem „Buckingham-Palast“ auf, der eigentlich der Großmeisterpalast ist und natürlich standesgemäß bewacht wird.

Spannender als alte Gemäuer und Kirchen ist für mich das alltägliche Leben. Verkaufsflächen auf Autos, Blumen in Fenstern, hübsche alte Autos mitten zwischen dem ganzen neumodischen Krams, Obst- und Gemüseläden, Ladeneingänge, Werbung, Restaurants usw.

 

Sehr, sehr gefallen haben mir die Balkone in Valletta. Hach, stundenlang könnte ich sie fotografieren. Manchmal sind sie ganz bunt, manchmal hängen Spitzengardinen an den Fenstern. Ein Tummelplatz für Spekulationen.

Es gibt viele hübsche Häuser und pompöse Eingänge.

Die Sonne stand so schön auf einer Kirchenfassade und ihrem Glockenturm.

Wie schon letztes Jahr kamen wir wieder an der Bibliothek und ihren schönen Arkaden vorbei.

Herr Grillenscheucher und ich haben in einem Café eine Pause gemacht und hinterher festgestellt, dass genau davor Parkplätze für die verschiedenen Ministerien reserviert sind.

Anschließend entdeckten wir einen kleinen Park mit einem großartigen Blick von oben und hübsch lila blühenden Bäumen.

Von dort trudelten wir so langsam zurück Richtung Schiff und waren überrascht, was es unterwegs noch alles zu bewundern gab. Den Triton-Brunnen, noch einen Park, ein sehr edles Hotel und die Kirche St. Publius.

Wir kamen dabei durch eine Vorstadt von Valletta, Floriana, und wurden darauf hingewiesen, dass wir sauber machen müssten, würden wir unseren Müll einfach auf die Straße schmeißen. Gerechte Strafe, finde ich. Und irgendwer steht dort offenbar sehr auf weinrot.

Ein weiterer kleiner Park beglückte uns mit tollen Aussichten, Kapmargeriten und lila blühenden Bäumen.

Langsam näherten wir uns unserem Lieblingsschiff.

An der Eingangskontrolle war viel los und wir mussten eine ganze Weile warten bis wir endlich durch waren. Ein Glück hatten wir genug Zeit bis zum Ablegen. Das haben wir mal wieder von der Aussichtbar genossen.

An diesem Abend sind Herr Grillenscheucher und ich früh zum Essen ins Atlantic gegangen und es gab meine absolute Lieblingsvorspeise: Kaviar!