Zu früh gefreut

Oder vielleicht zu sehr oder zu viel? Wird man für’s Hüpfen vor Freude bestraft? So kam es mir jedenfalls letzte Woche vor. Nachdem nämlich die Lampions genau eine Nacht wunderhübsch geleuchtet haben, gaben sie eine Nacht später den Geist auf. Erst leuchteten sie noch sporadisch und dann gar nicht mehr. Ein ziemlich jämmerlicher Grund, traurig zu sein. Das gebe ich zu. Aber für mich sind sie nun mal perfekt, wenn sie denn leuchten würden. Und ja, ich kann sie bei IKEA umtauschen. Aber ich habe keine Lust, mich schon wieder auf den langen Weg durch ewige Baustellen zu machen, um vielleicht mit dem gleichen Schrott zurück zu kommen und dort nicht mal ein anständiges Preiselbeergetränk zu bekommen. 👿

Die Sache mit dem Zu-früh-Freuen funktioniert anscheinend auch andersrum. Nachdem ich ausgiebig traurig über die Lampions war, hat sich nämlich wenigstens einer von beiden entschlossen, doch wieder so wunderhübsch zu leuchten. 🙂 Vielleicht also wird man für’s Traurigsein belohnt? Jedenfalls freue ich mich jetzt über einen leuchtenden Lampion und werde durch die Baustellen fahren, um den zweiten umzutauschen.

Das war schon mal ein erstes sehr gutes Ding aus meiner Woche vom 25. April bis zum 1. Mai 2019. Einige andere gute Dinge gab es auch noch:

  • Im warmen Sonnenschein habe ich die letzte Plfanze gedüngt und den Jasmin großzügig beschnitten.
  • Anschließend wurde das Balkonmobiliar geputzt und dann habe ich das erste Mal in diesem Jahr ein Glas Wein in der Abendsonne auf dem Balkon getrunken.
  • Herr Grillenscheucher, mein Bruder und ich waren meine Mama und ihren Mann besuchen und zu einem Schlemmerfrühstück in einem süßen, kleinen Teeladen eingeladen. Das Frühstück war unglaublich liebevoll angerichtet und schmeckte total lecker. (Allerdings war ich noch ungefähr zwei Tage lang satt davon.)
  • Hinterher haben wir einen kurzen Spaziergang gemacht, haben einem genialen Straßenmusikanten mit Saxophon gelauscht und die alten Häuser bestaunt.

  • Ich war allein auf dem Wochenmarkt und hatte viele sehr nette Gespräche mit den Markthändlern. Ganz besonders habe ich mich über die hilfreiche Idee für ein Gericht von einer Händlerin gefreut als ich ratlos vor dem großen Gemüseangebot stand.
  • Ein Bahnsteig voller Menschen und wir bekamen trotzdem Sitzplätze im Zug. Offenbar fasst der Zug mehr Leute als der Bahnsteig.
  • Blühender, duftender Flieder.
  • Ein Treffen mit F. in der tollen Taverna Romana. Das Essen war wie immer lecker und wir hatten uns so viel zu erzählen.
  • F. schenkte mir ein Honig-Sortiment. Hach, wie toll! Ich liebe Honig im Tee und bin schon sehr gespannt, wie diese Sorten schmecken werden.

  • Eine Mail von S. mit vielen guten Gedanken. Ich bin dankbar für unseren Austausch.
  • Die Saat auf dem Balkon fängt an zu keimen und die Spannung wächst, ob alles so gedeiht wie geplant.
  • Vom Wochenmarkt habe ich beim Lieblings-Pflanzenhändler einen kleinen Lavendel mitgebracht. Der ist nun eingetopft und hängt direkt neben meinem Sitzplatz. Ich hoffe auf viel Lavendelduft in der Nase beim Chillen auf dem Balkon.

  • Gestern waren Herr Grillenscheucher und ich zum Tanz in den Mai in unserer Tanzschule. Schön war’s! Es war so hübsch mit Maikäfern und Maiglöckchen geschmückt und die Mitarbeiter waren alle in rot und weiß gekleidet. Wir haben viel getanzt und die Maibowle probiert, von der es für jeden ein Glas umsonst gab. Da Alkohol und Tanzen irgendwie nicht so gut zusammen passen, nahmen wir die ohne Alkohol und die war sehr lecker mit ganz vielen Erdbeeren. Das wäre sicher auch was für unsere Freundin C. Um Mitternacht sind wir auf einer total überfüllten Tanzfläche zu einem Wiener Walzer in den Mai getanzt und waren dann froh, das quasi erledigt zu haben und nach Hause fahren zu dürfen. (Wir werden echt alt…)
  • Entsprechend gibt es jetzt Wiener-Walzer-Musik. Gut, dass wir diese nicht hatten, denn sie ist schwer zu tanzen. Aber es ist ja gerade auch die Zeit des Abschiednehmens vom Winter und insofern passt das Lied ganz gut 😉 :

 

Es keimt

Kaum zwei Wochen sind seit der Aussaat auf meinem Balkon vergangen und schon fangen die ersten an zu keimen. Jeden Tag gehe ich gespannt raus und gucke, was sich in den Töpfen und Kästen getan hat. Das ist spannender als jeder Krimi. 😉

Die Kornblumen sind schon besonders eifrig dabei:

Außerdem haben sich (in dieser Reihenfolge auf den Fotos) Salat, Kamille und Tagetes entschlossen, das Licht der Welt zu erblicken:

Gestern im Laufe des Tages wurden auch die Zuckererbsen neugierig:

Für mich ist es unglaublich wunderbar, wenn ich zugucken kann, wie die Pflanzen ganz langsam das Licht der Welt erblicken. 🙂 Basilikum, Dill, Sonnenblumen und Winterheckenzwiebeln lassen sich noch Zeit. Von den ersten dreien weiß ich, dass das normal ist. Winterheckenzwiebeln habe ich ja das erste Mal und kann nur hoffen, dass sie eben eine Weile brauchen.

Eine Erdbeerpflanze hat schon ihre erste Blüte entwickelt. Ich freue mich wie Bolle, dass offenbar die Anzucht im letzten Herbst gelungen ist.

Klimawandel

Am Wochenende erstrahlte Hamburg im Sonnenschein. Es gab die ersten zweistelligen Temperaturen in diesem Jahr, die gefühlt fast schon heiß waren – jedenfalls in der Sonne, die schon ordentlich Wucht hat. Und ich habe es sooo genossen! 😎 Obwohl es erst Mitte Februar und damit der Vorfrühling zu früh dran ist. Vermutlich ist das ein ganz schlechtes Zeichen für unser Klima, auch wenn gern abgewiegelt wird, weil es schon immer solche Ausreißer gegeben hat. Klar, die gab’s. Ausreißer eben, aber allmählich sind das keine Ausreißer mehr, sondern der Frühling kommt jedes Jahr früher.

Ich kann das einfach nur toll finden, aber schließlich habe ich keine Kinder und damit auch keine Enkel, für die der Klimawandel dramatischere Folgen haben wird als für mich zu meinen Lebzeiten. Aus meiner Sicht kann ich im wahrsten Sinne des Wortes sagen: „Nach mir die Sintflut.“. Das können diejenigen, deren Leben quasi gerade erst anfängt, nicht und deshalb finde ich es super, dass es diese Schülerstreiks an jedem Freitag allerorten gibt. Sie sind die Menschen, die ein verändertes Klima spätestens trifft. Es ist sehr gut, dass sie so jung versuchen, dem entgegen zu wirken. Eine andere Chance werden sie nämlich vermutlich nicht haben. Und wer jemals gestreikt hat, auf Demos gegangen ist oder an ähnlichen Aktionen teilgenommen hat, der weiß, dass es anstrengender ist, bei jedem Wetter auf der Straße die Stimme oder das Schild zu erheben als im warmen Klassenzimmer zu sitzen. Mit faulem Schule-Schwänzen hat das wenig zu tun. Wer es nicht glaubt, darf bestimmt gern mit machen.

Soviel für heute vom Moralapostel in mir. 😉 Kommen wir zu meinen guten Dingen aus der Woche vom 14. bis 20. Februar 2019:

  • Der Vorfrühling mit seinem bombastischen Frühlingswetter war trotz aller Moral ein wunderbares Ding!
  • Die Tanzstunde mit Herrn Grillenscheucher, während der wir ganz oft Rumba tanzen durften, weil es eine neue Figur zu lernen gab. Die Figur kannten wir zwar, aber mit einem anderen Ende und insofern war sie auch für uns zu einem kleinen Teil neu. Spannend, wenn ich mich an sehr eingespielten Stellen doch wieder führen lassen muss…
  • Das tolle Wochenend-Wetter lockte uns natürlich nach draußen und Herr Grillenscheucher und ich haben nach Ewigkeiten mal wieder den koreanischen Laden in unserer Nähe besucht. Es gab so einiges, was Herr Grillenscheucher für meine Mittagspausen-Gerichte besorgen wollte. Ich bin gespannt auf die Kreationen daraus.
  • Bei Penny gab es nicht nur meine Lieblingsnudeln von Barilla im Sonderangebot, sondern auch erstes Saatgut und Mini-Pflanzsets. Es war praktisch unmöglich, daran einfach vorbei zu gehen. Also haben wir schon mal so einiges eingekauft. Am liebsten wäre ich damit hinterher direkt auf den Balkon gegangen und hätte ausgesät. Allein die Vernunft hat mich davon abgehalten, denn wer weiß schon, ob es nicht doch noch einen Wintereinbruch gibt.
  • Dank des sagenhaften Wetters strecken Tulpen und/oder Narzissen auf meinem Balkon ihre Köpfe aus der Erde. (Ich habe beide verbuddelt und kann sie noch nicht unterscheiden.) Zwei Suchbilder 😉 :

  • Unsere Patentochter B. hat uns ihren ersten Brief auf Englisch geschrieben und wir haben endlich darauf geantwortet.
  • Ein kurzes Video von S. per WhatsApp mit Wasserrauschen. Hach, ich liebe das!
  • Herr Grillenscheucher hat meine Mittagspausen diese Woche mit Schinkennudeln mit Paprika und viel Käse gerettet. Lecker!
  • Auf Grund der Verkehrslage bin ich zu einem Aldi-Markt gefahren, bei dem ich schon lange nicht mehr war. Oh, war das toll! Dieser kleine, anscheinend nahezu von der Zentrale vergessene Markt ist noch immer so wie früher aufgebaut: breite Gänge und alles war an seinem angestammten Platz. Herrlich!
  • Sonne auf der Nase während meiner Raucherpausen im Job.
  • Ich habe ein wunderhübsches Etui für meine aktuelle Lesebrille gefunden:

  • Von meinem Firmen-Jubiläum im letzten Jahr hatte ich immer noch Geld, das ich für meinen Balkon ausgeben sollte. Ich wollte es unbedingt in einen neuen Sonnenschirm investieren, denn der alte hat seine besten Jahre echt hinter sich. Nun habe ich einen im großen, weiten Internet gefunden und bestellt. Geliefert wurde das Ding als Sperrgut und mit der Vorahnung, dass das dann wirklich ein großes Paket sein würde, habe ich erstmals veranlasst, dass das Paket einfach im Treppenhaus in meinem Stockwerk abgestellt werden kann. Ein bisschen mulmig war mir dabei schon. Schließlich wird heutzutage alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber es hat super geklappt. Ein Glück! Nun muss er noch auf dem Balkon getestet werden und ich hoffe, das klappt genauso gut.
  • Als C. das letzte Mal in Hamburg war, hat sie mir ein Büchle ( 😉 ) vom „Äffle & Pferdle“ geschenkt. Gut, so mancher schwäbischer Ausdruck darin lässt mich irritiert zurück, weil ich ihn einfach nicht verstehe. Aber ich habe sehr über folgenden Dialog zwischen den beiden gelacht:

Pferdle: Was machsch?

Äffle: Nix!

Pferdle: Des hasch doch scho geschdern gmacht!

Äffle: Ja, i bin aber net fertig gworda.

aus: „Äffle & Pferdle, Lacha isch gesund“ von Heiko Volz (Text) und Roman Lang (Zeichnungen)

  • Ich bin zu Boden gegangen. 😉 Normalerweise bestelle ich bei Boden sehr selten etwas. Aber ich hatte einen Gutschein, den ich nicht ignorieren konnte, weil ich auf deren Webseite tatsächlich eine Strickjacke und Sandalen fand, die mir gefallen könnten. Den habe ich auf den letzten Drücker eingelöst und bin nun gespannt.
  • An einem Morgen kamen A. von gegenüber und ich zeitgleich aus unseren Haustüren. Lustig, das ist noch nie passiert. Plaudernd sind wir zusammen zum Bahnhof gegangen.
  • Der Sonnenschein hat mich irgendwie veranlasst, mal Klassik auf die Ohren zu nehmen. Das war eine sehr gute Entscheidung! Seitdem höre ich Stück für Stück (alles ist einfach zu lang für meinen Nachhause-Weg) von Vivaldi die „Vier Jahreszeiten“ in einer Aufnahme von Nigel Kennedy:

Unbekanntes Pflanzobjekt

Im Frühjahr kaufte Herr Grillenscheucher extra die teure Demeter-Chili-Saat, badete die Saatkörner in Kamillentee, weil die Anleitung das so wollte, und zog die kleinen Pflänzchen liebevoll zu großen, starken Pflanzen heran. Und dann das:

Eine der angeblichen Chilipflanzen trägt statt Chilis kleine Beeren als Früchte, die erst grün sind und dann fast schwarz werden. Dabei sahen die Blüten genauso aus wie die Chiliblüten, nur die Blattform ist etwas anders, nämlich an den Rändern gezackt.

Schon seit Wochen grübeln wir, was das wohl für eine Pflanze ist. Dieses Wochenende habe ich sie endlich fotografiert und die allwissende Tante Google befragt. Der Foto-Vergleich ergab, dass es vermutlich ein Schwarzer Nachtschatten ist – hoch giftig! 😮 Das hätte ich Demeter echt nicht zugetraut.

Zum Glück sind aus den anderen Samenkörnern tatsächlich tolle Chilipflanzen geworden:

 

Die Mär von den Lichtkeimern

Wer schon mal selbst Saat in oder auf die Erde gebracht hat, kennt das sicher. Man kauft ein Saattütchen und liest aufmerksam die darauf gedruckte Anleitung. Brauchen die Pflanzen, die aus der Saat entstehen sollen, viel oder wenig Sonne? Wann darf die Saat gesät werden? Braucht sie womöglich noch eine Kältephase zum Keimen? Wie tief muss sie in die Erde?

Letztere Frage wird bei vielen Pflanzen mit folgenden Sätzen beantwortet: „Saat nur andrücken! Nicht mit Erde bedecken!“. Hui, schon die Ausrufezeichen machen einen nervös. Es muss also Licht an die Samenkörner kommen, aber wenn ich sie nur an die Erde drücke, dann werden sie vom nächsten Windstoß weg geweht, sobald die Erde ein bisschen trockener geworden ist als zum Zeitpunkt der Aussaat. Leider kann ich nicht tagelang neben der frischen Saat stehen und sie immer, wenn die Erde zu trocken wird, mit Wasser bestäuben. (Das wäre sicher mal eine tolle Aufgabe, bei der man richtig von jeder Aufregung runter kommt. 😉 )

Dieses Jahr habe ich versucht, die Lichtkeimer mit Plastikplanen vorm Wegfliegen zu bewahren.

Diejenigen, die in Saatbändern kamen, wurden damit auch davor geschützt, dass Vögel die Bänder für ihren Nestbau ab transportieren. Aber so richtig geklappt hat das nicht. Gut, es gab keinen Vogel-Klau, aber das Keimen gestaltete sich doch eher schwierig, obwohl das Wetter perfekt dafür war. Nur vereinzelt ging die Saat auf.

Herr Grillenscheucher erwähnte, dass er trotz aller Anweisungen auf den Saattütchen ein bisschen Erde auf die angeblichen Lichtkeimer tat und dass das der Saat viel besser tat. Also habe ich das auch gemacht und siehe da: endlich tat sich was! Lichtkeimer, von wegen… Natürlich habe ich keine empirische Forschung betrieben, aber bei mir scheint die Saat von Lichtkeimern besser aufzugehen, wenn sie nicht gänzlich schutzlos ausgeliefert sind, sondern ein bisschen Erde über der Saat haben.

Trotzdem sah es immer noch seltsam aus in den Kästen. Die Pflänzchen guckten nur stellenweise aus der Erde und der Rest blieb Erdwüste. Das habe ich so noch nie erlebt.

Tja, da hilft alles nichts und ich muss die Pflanzen pikieren. Etwas, wovor ich mich immer gern drücke, denn ich habe schlicht Angst, dabei die Wurzeln der Pflänzchen zu sehr zu verletzen, so dass sie nicht erneut anwachsen. Aber so konnte es ja nun mal auch nicht bleiben, gell.

Und was soll ich sagen? Das Pikieren scheint gelungen zu sein. Puh, ich bin erleichtert!

Nun darf ich wieder auf üppig gleichmäßig bewachsenen Kästen hoffen. 🙂