Sturmtief „Burglind“

Meine Güte, was für ein Name! 😮 Der klingt fast so gefährlich wie der Regen, der gerade an die Fenster neben mir peitscht. Ein Glück steht noch alles auf dem Balkon. Dafür hat Burglind mich irgendwie erwischt. Seit heute früh fühle ich mich total durch den Wind. Tapfer wie ich bin 😉 , bin ich ins Büro gedackelt, um dann unterwegs endlich zu merken, dass mein Kreislauf ein absolutes Tief hat – wahrscheinlich namens Burglind. Die bessere Idee wäre wohl gewesen, den Feiertag des Schlafens anständig zu würdigen.

  • Immerhin habe ich mich durch gerungen, den fiesen Zahnarzttermin heute abzusagen, damit ich dort nicht ohnmächtig vom Stuhl falle. Es war gar nicht so leicht, einen Ersatztermin zu finden, aber es hat geklappt. (Entgegen meiner Annahme, dass das alles nur an meiner Angst vor diesem Termin liegt, ging es mir hinterher kein Stück besser und immer noch bin ich nicht wieder ganz fit.)
  • Ich bin langsam durch den Tag geschlichen und war froh, dass nichts eilig war. Heil nach Hause gekommen bin ich dann auch noch. Langsam zwar durch strömenden Regen und heftige Windböen und insofern sehr nass, aber eben heil.
  • Hui, war das heute besonders schön, nach Hause zu kommen und aufs Sofa sinken zu dürfen! Herr Grillenscheucher rief an, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen, denn ich hatte ihm Bescheid gesagt, dass er mich nicht beim Arzt abholen muss. Das war sehr lieb!

Der sauerste Tag des Jahres

Heute ist der sauerste Tag des Jahres – noch so ein kurioser Feiertag. Aber der passt mir grad ganz gut in den Kram, denn ich könnte gerade an allem rum nölen. Wahrscheinlich bin ich einfach zu müde für gute Laune. Entsprechend muss ich ziemlich überlegen, um 3 gute Dinge des Tages zu finden.

  • Ich bin nicht dumm aufgefallen und gerade so eben noch pünktlich zu einer Besprechung gekommen – ich hatte sie viel später am Tag verortet. 😳
  • Obwohl ich schlecht gelaunt bin, war ich sehr nett zu meinen Mitmenschen, habe sogar Gekreische geduldig ertragen und konzentriert Problemlösungen gestiftet. Manchmal finde ich, mir gebührt der Friedensnobelpreis. 😉
  • Der Regen und die Wolken verzogen sich, die Sonne kam ein bisschen durch und es war relativ mild. So hab ich nach Feierabend eine Runde um den Block gedreht zwecks Aufweckung der Lebensgeister, was nicht wirklich gelungen ist. Dafür habe ich aber unterwegs schon mal die Tannenzweige besorgt, mit denen ich die Balkonpflanzen für den Winter abdecken will.

Der Nachtrag vom Wochenende

Kaum ist Wochenende, schon regnet’s. Inzwischen nehme ich das mit stoischer Gelassenheit hin und freue mich einfach zum Ausgleich ein bisschen mehr darüber, frei zu haben.

Die guten Dinge von Freitag:

  • Kantinentreffen mit B. und M. und leckerer Grützwurst. 😀
  • Im Regen zum Wochenmarkt gegangen. Hinter den Regenwolken kam die Sonne durch und zauberte einen wunderschönen Regenbogen. Pünktlich beim Eintreffen auf dem Markt hörte der Regen auf und wir konnten im Trockenen einkaufen.
  • Tanzen war fein, auch wenn es zeitweise eher an Hindernislauf erinnerte, weil es so voll war.

Die guten Dinge von Samstag:

  • Herr Grillenscheucher und ich haben seine Eltern besucht. Es gab sehr leckeres Essen – zum Nachmittagskaffee eine Tarte Tatin und zum Abendessen Boeuf Bourguignon. Wir haben erzählt und gelacht und über die Unfähigkeit der Politiker, weiter als von 12 bis Mittag zu denken, die Köpfe geschüttelt.
  • In den vollen Zügen auf dem Hin- und Rückweg trotzdem Plätze zum Sitzen gefunden.
  • Hinterher noch lange mit Herrn Grillenscheucher erzählt.

Die guten Dinge von heute:

  • Ausgeschlafen.
  • Es war Putz- und Flicktag. Nun blitzt meine Wohnung wieder und ein Regal konnte mit einem untergeschobenen Stück Pappe gerade gerückt werden.
  • Herr Grillenscheucher hat die neue Lichterkette zusammen gebastelt. So richtig durchdacht ist das Konzept von good moods ehrlich gesagt nicht, aber es hat dann doch irgendwie geklappt. Und jetzt habe ich eine wunderschöne Lichterkette, die farblich perfekt in mein Wohnzimmer passt:

Zahnarzt

Auch wenn ich es total und ganz und gar schrecklich finde, zum Zahnarzt zu gehen, mag ich meinen total und ganz und gar. Es ist ja sowieso in den seltensten Fällen der Arzt, der so unangenehm ist (und wenn, hat man den falschen), sondern das Rumgefuchtel im Mund und das wehrlose Gefühl dabei. Mein Zahnarzt jedenfalls trägt immer lustige bunte Tücher auf dem Kopf und findet es schrecklich, dass er der Überbringer der schlechten Nachrichten ist. Über letzteres haben wir uns vorhin unterhalten und ich konnte ihn nicht mal annähernd davon überzeugen, dass zumindest ich nie denke, er hätte Schuld, wenn ich eine unangenehme Behandlung ertragen muss. Fast hätte ich ihn tröstend in den Arm genommen, dabei muss doch mir ein Weisheitszahn gezogen werden. 😮

Das einzige, was ich an der Praxis nicht mag, ist, dass die Zahnfeen (sprich diejenigen, die die Prophylaxe machen) ständig wechseln. Ich war noch bei keiner öfter als 3 Mal, also länger als 1,5 Jahre. Immer hab ich mich gerade an eine gewöhnt, dann geht die schon wieder weg. 🙁 Interessanterweise sind es immer Frauen, was mir ein Rätsel ist.

Gute Dinge:

  • Letzte Nacht konnte ich ewig lange nicht einschlafen. Ich war zu aufgewühlt von den Kneipengesprächen. So ein Glück, dass ich heute nicht früh aufstehen musste! Ich habe das Licht wieder angeschaltet und gelesen bis mir die Augen zu fielen. Mein aktuelles Buch ist „Kleine Abschiede“ von Anne Tyler. Mein Lieblingsszene ist die, in der es um die Ehe und wer sie erfunden hat, geht.

„Alle reden Dir ein, dass es nicht ohne geht, besonders die Frauen. Deine Mutter, deine Tanten und deine Freundinnen. Dann bist du verheiratet und stellst fest, wie aufgeblasen er ist und dass er immerzu irgendwas redet, zu allem seinen Senf dazutun muss, ständig mit seinen triumphalen Arbeitserfolgen protzt. >Das habe ich ihnen gesagt, und dies hab ich ihnen gesagt<, und wenn du fragst: >Was haben sie dazu gesagt?<, kriegst Du zur Antwort: >Oh, das weißt du doch, aber dann habe ich’s ihnen gegeben, habe ihnen die Meinung gesagt, ihnen den Marsch geblasen<, ich, ich und noch mal ich. Und wenn du das deiner Mutter erzählst, deinen Tanten und so weiter, sagen sie alle: >Ja, ja, die Ehe ist eine Landplage.< Aber wenn ihr so denkt, möchte ich dann fragen, wieso habt ihr das nicht vorher erzählt? Wo wart ihr, als ich mich verlobt habe?“

aus: Anne Tyler, Kleine Abschiede

  • Letzte Nacht kreiselte u.a. die Regenrinne durch meine Gedanken, ja, die Regenrinne. Ich hatte nämlich schon vor vielen Wochen deshalb die Hausverwaltung angerufen, weil in der Regenrinne bereits kleine Bäumchen wuchsen. Mir wurde versichert, dass diesbezüglich schon ein Auftrag raus gegangen sei, aber passiert war ja immer noch nichts. Nun machte ich mir Sorgen, dass ich vielleicht doch zusätzlich meinen Vermieter hätte informieren müssen. Und heute stellte ich überrascht fest, dass die Regenrinnen blitzblank geputzt sind. Juchuh, ein Problem weniger! So sahen sie nämlich vorher aus – von Rinne nichts mehr zu sehen:

  • Mühsam die Prophylaxe-Behandlung überstanden, aber eben überstanden. Uffz. (Meine aktuelle Zahnfee geht leider auch wieder. Ausgerechnet nach Frankfurt. Was will man denn da???)

Der Nachtrag vom Wochenende

Dieses Wochenende fand ich anstrengend und ich hänge immer noch ein bisschen in den Seilen. Aber es war auch schön und interessant.

Die guten Dinge von Freitag:

  • Papierkram erledigt und mir damit ein Fleiß-Sternchen verdient. 😉
  • Im strömenden Regen auf dem Wochenmarkt eingekauft, was jetzt nicht so toll war. Aber ich hatte daran gedacht, dass ich tatsächlich Gummistiefel besitze, und habe sie auch angezogen. Das machte das scheußliche Wetter irgendwie erträglicher.
  • Tanzen war unglaublich anstrengend – wir üben gerade Wiener Walzer -, aber ich habe bis zum Schluss durchgehalten.

Die guten Dinge von Samstag:

  • Regen, Regen, Regen. Wir blieben zu Hause und ließen uns auch nicht von dem Bisschen Sonne am Nachmittag nach draußen locken. Ein Glück, denn das war nur eine kurze Verschnaufpause für den Regen.
  • Abends endlich hörte es pünktlich zum Rolling Stones Konzert auf der Stadtpark-Wiese auf zu regnen. Das hat mich sehr für die vielen Menschen gefreut, die dafür teure Tickets gekauft hatten. Wir haben das Konzert durch die offene Balkontür gehört, wenn auch in ziemlich schlechter Sound-Qualität. 😉
  • Es gab Fisch zum Essen. Ich freue mich total, dass Herr Grillenscheucher sich jetzt doch traut, Fisch zuzubereiten. War auch echt lecker: Seelachs mit Erbsen in Sahnesoße.

Die guten Dinge von Sonntag:

  • Sonne statt Regen. 😎 So wurde es dann wenigstens am Sonntag was mit den Besichtigungen am Denkmaltag, nachdem sie am Samstag im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen waren.
  • Um 13 Uhr haben wir uns die Schilleroper angesehen und einem interessanten und lustigen Vortrag über die Geschichte des Gebäudes bis in die heutige Zeit gelauscht. Leider kann man sich die Oper nicht von innen ansehen, weil Einsturzgefahr besteht. Hinterher hatten wir viel Zeit bis zu unserem nächsten Termin und haben uns erstmal im Café Sul mit Tosta Mista gestärkt.

 

  • Weiter ging es nach Altona, wo wir eher zufällig über die Christianskirche stolperten, die nicht zum Denkmaltag-Programm gehörte. Aber jemand spielte sehr nett auf dem Glockenspiel und innen ist die Kirche voller Engel und Sterne. Schön! Draußen im kleinen Kirchenpark hatte jemand vorsichtshalber eine Bank mit einem Handtuch reserviert. 😉

  • Und noch ein viertes gutes Ding: der Stuhlmannbrunnen, auf den ich mich schon so gefreut habe. Eine Führung rund um und in den Brunnen von einem sehr netten älteren Herrn, dessen Begeisterung für das Denkmal nahezu ansteckend war. Es ist das zweitgrößte Denkmal in Hamburg, das größte ist das Bismarck-Denkmal. Das Kupfer wurde teilweise so lange gedengelt bis es nur noch 0,2 mm dick war. Durch das Dengeln hat die Außenhülle ganz viele, ganz kleine Löcher bekommen und wenn man unter dem Brunnen ist und nach oben schaut, sieht es tatsächlich aus wie ein Sternenhimmel. Leider tropft es da drinnen derart, dass ich davon kein Foto machen konnte.