Guten Morgen, liebe Sorgen

Für lange Zeit war das böse K-Wort dankenswerter Weise aus meinem Leben verschwunden. Niemand von meinen Lieben und auch niemand, den ich kenne, war akut von Krebs betroffen. Tja, und dann kam das letzte Wochenende. Bei K., dem Mann meiner Mama, wurde in zwei Organen Krebs festgestellt und in anderen gibt es den Verdacht auf Krebs. Der Gedanke daran geistert gerade tagsüber durch meine Gedanken und nachts durch meine Träume. Ich fühle mich verdammt hilflos.

Ich versuche, weiter zu machen mit dem, was ich mir für meine Auszeit vorgenommen habe und wofür ja auch sonst nicht wirklich genug Zeit ist. Ich putze meine Wohnung im großen Stil und finde dabei immer noch Schubladen, die dem Ausmisten bislang entgangen sind, was dringend nachgeholt werden muss. Ich fahre mit Herrn Grillenscheucher in die Männerboutique, um alles Notwendige für seine Wohnungsrenovierung einzukaufen. Ich gehe zu lang verabredeten Treffen mit Bekannten und Freunden.

Und immer schwingt dabei so ein Gefühl von Sinnlosigkeit mit. Wäre es nicht sinniger, jetzt bei K. und meiner Mama zu sein? Aber dann denke ich, dass auch mein Leben irgendwie weitergehen muss und ich dafür einiges zu tun habe. Also raffe ich mich auf und mache weiter. Unlustig, gereizt und im Disput meiner Gefühle.

Nicht leicht, gute Dinge aus meiner Woche vom 15. bis zum 21. August 2019 aufzuschreiben.

  • Spät abends – geöffnete Balkontür – keine Eile. Was für ein unglaublich tolles Gefühl! (vor der Krebsdiagnose)
  • Ich habe mir das Vorsorge-Set von der Stiftung Warentest in meinem Buchladen besorgt und angefangen, darin zu lesen. Verschiedene Vollmachten sind darin tatsächlich einfach und verständlich erklärt. Die möglichen Fallstricke werden beschrieben und für wen überhaupt was sinnvoll ist. Das finde ich beruhigend. Nun muss ich mich nur noch durch arbeiten.
  • Nachdem ich so viel Platz in meinem Kleiderschrank gemacht habe: Neue Lieblings-T-Shirts von Deerberg sind eingetroffen. Den Rest der Bestellung hätte ich mir allerdings sparen können. Wie kommen die dazu, Schuhe als grau zu beschreiben, wenn sie doch in Wirklichkeit rosa sind? 😮
  • Ich habe viele, viele Ableger von meiner Grünlilie geschnitten und in eine Wasserschüssel gelegt. Dort warten sie nun aufs Einpflanzen in Erde.

  • Endlich ist die Sommerpause in der Tanzschule vorbei und Herr Grillenscheucher und ich waren wieder tanzen. Schön war es und nicht mal sonderlich voll. Von J., unserem Tanzlehrer gab es ein großes Lob dafür, dass wir immer so umsichtig und möglichst allen ausweichend tanzen. Das ist natürlich hauptsächlich der Verdienst von Herrn Grillenscheucher, der sehr darauf achtet. Aber auch ich bekam ein Lob dafür, dass ich das alles (fast) immer so problemlos mit tanze. Gebauchpinselt. 😉
  • Trotz totaler Unlust habe ich mit dem Wohnungs-Herbstputz begonnen und ich bekam Putzhilfe von Herrn Grillenscheucher an den Stellen, an die ich allein einfach nicht ran komme. Inzwischen ist der erste Raum, mein Schlafzimmer, von Kopf bis Fuß sauber.
  • Am Samstag gab es immer wieder Regen, aber Herr Grillenscheucher und ich sind trotzdem auf das Uhlenhorster Stadtteilfest gegangen, weil wir wussten, dass unser Lieblings-Marmeladen-Stand auch dort sein würde. Den betreibt ein Ehepaar, das die Marmeladen alle selbst einkocht. So lecker! Ich habe mich schon gewundert, dass nur Herr Beier allein ohne seine Frau hinter dem Tresen stand. Nach einer Weile Geplänkel über Marmeladen im speziellen und besonderen kam der Grund: Seine Frau ist schwer an Krebs erkrankt. Er hat fast geweint, ich habe fast geweint. Und letztlich war ich einfach nur total froh, dass wir dort waren.
  • Und natürlich haben wir jede Menge Marmelade gekauft. Es gibt einfach keine bessere! Herr Beier erzählte uns, dass er einen Kunden hat, der mit seinem Hackenporsche immer auf die Märkte kommt, auf denen er mit seinem Stand ist. Dieser Kunde lässt sich den Porsche mit in Servietten gewickelten Marmeladengläsern voll packen und zieht damit dann wieder von dannen. Zu Hause packt er die Gläser nicht mal aus, sondern nimmt einfach das nächste, denn: Jede Marmelade ist total lecker und da ist es doch egal, welche er als nächstes zu packen kriegt. Ist das nicht süß? Ich bin da schon wählerischer und packe meine immer aus.

  • Außer dem Marmeladen gab es auch noch zwei verschiedene Tomatensoßen.

  • Während wir dort unterm Dach des Marmeladen-Standes rum standen, Marmeladen und Soßen probierten, und uns mit Herrn Beier und anderen Käufern unterhielten, fing es heftig an zu regnen. Der Regen hörte auf als wir bezahlt hatten und das schützende Dach verlassen mussten. So ein Glück!
  • Danach haben wir uns in Ruhe den Rest vom Fest angesehen und einen Becher mit klein geschnittenem Obst geteilt.
  • Herr Grillenscheucher ist ein super guter Zuhörer. Wieder zu Hause haben wir lange über die Krebsdiagnosen geredet.
  • Ein Treffen mit N. voller Gespräche über Familie und die diversen Probleme, die sie verursacht.
  • Im Topf meiner Minze hat sich eine artfremde Tagetes angesiedelt und blüht so hübsch leuchtend. Es ist eindeutig keine von meinen, denn diese ist viel höher gewachsen.

  • Ein ganz lieber Anruf von Herrn Grillenscheuchers Mutter. Und ein gutes Telefonat mit meinem Bruder.
  • Passend zum Beitragstitel fällt mir natürlich ein Lied ein, aber das ist mir zu makaber. Dafür habe ich heute so ein wunderschönes Wasserrauschen-Video von S. bekommen, das mich wunderbar bei allen Problemen beruhigt hat. Und das darf ich hier einstellen. Lieber S., danke dafür!

Sturm und Regen

Sturmtief Benjamin (Warum haben die eigentlich immer so nette Namen?) brachte Hamburg vorgestern nicht nur jede Menge Wind, sondern auch jede Menge Regen. Für meinen Weg zur Arbeit hätte ich glatt ein Paddelboot gebrauchen können, so groß und tief waren die Pfützen auf den Bürgersteigen. Oh, war ich sauer! 👿 Ganz besonders auf dem Abschnitt, auf dem sie erst im Dezember die Fußwege erneuert haben. Dort waren die Pfützen derart groß, dass man sie nicht mal balancierend umranden konnte, sondern auf einen total matschigen Sandweg ausweichen musste. Eine Zumutung!!!

Unterwegs habe ich also geflucht wie ein Rohrspatz und mich gefragt, wer zuständig ist. Wen kann ich jetzt mal so richtig anpöbeln? Tante Google fand die Lösung für mich: Probleme dieser Art kann man in Hamburg beim Melde-Michel abladen. Juchuh! 🙂 Pöbeln werde ich aber nicht. Höflich vorgetragener Ärger ist schließlich viel wirkungsvoller…

Verglichen mit dem Schneechaos anderswo ist das Jammern auf hohem Niveau, ich weiß. Ich bin unfassbar dankbar dafür, dass es hier nur Regen gab und dass der Sturm keine Schäden auf meinem Balkon angerichtet hat. Außerdem gab es noch so einige andere gute Dinge in meiner Woche vom 3. bis zum 9. Januar 2019:

  • Meine ersten Tage des Jahres im Büro waren sehr ruhig. So konnte ich ganz langsam wieder rein finden ins Arbeitsleben.
  • Nach 3 Nächten mit total anstrengenden Träumen und ständigem Aufwachen habe ich endlich wieder super geschlafen. Wow, tat das gut!
  • Erste Tulpen:

  • Der Samstag Nachmittag war trocken und Herr Grillenscheucher und ich haben uns vor die Haustür getraut. Wir konnten mit offenen Mänteln 😎 durch die Innenstadt laufen und haben einen feinen Beutezug gemacht. Manchmal läuft’s und man kriegt alles, was auf dem Einkaufszettel steht, und noch ein bisschen mehr.
  • Interessante Erkenntnisse über mich und die anderen bei einer Gruppensitzung, in der uns unsere Vorturnerin fragte, was jeder von uns sagen würde, was er im letzten Jahr gut gemacht hat. Mein Fokus liegt ganz klar nicht im Job. 😉
  • Der erste Wohnungsputz des Jahres und es tat mir richtig gut, mit Herrn Grillenscheucher den „Mief“ der Feiertage zu vertreiben.
  • Diese Woche hatte ich für meine Mittagspausen eine sehr leckere Spinat-Hack-Quiche dabei. Meine Rettung, denn der Kantinen-Ernährungsplan war fürchterlich.
  • Ich habe mich sowohl bei der Pediküre als auch beim Friseur verwöhnen lassen.
  • Trotz großer Unlust, mehrfach durch den Nieselregen zu müssen, sind Herr Grillenscheucher und ich zu unserer ersten Tanzstunde des Jahres gegangen. Es war definitiv gut, dass wir uns bewegt haben. Allerdings frage ich mich, was die mit ihrem Parkett machen, dass es immer so stumpf ist. Gehört das etwa zu einem geheimen Abnehm-Programm? So ein Boden macht das ganze nämlich erheblich anstrengender als einer, auf dem man dahin gleiten kann.
  • Das Miniatur-Wunderland bietet auch in diesem Jahr wieder freien Eintritt für Menschen an, die sich den Eintrittspreis nicht leisten können. Ich liebe diese vertrauensvolle Aktion!

  • Im Büro haben wir als Pilot-Bereich neue Rechner bekommen und nun sieht alles anders aus. Die Umgewöhnungsphase wird für mich sicher noch eine ganze Weile dauern und ich bin bisweilen ziemlich genervt. Aber ich weiß auch, dass nicht alles so bleiben konnte, wie es war. Also versuche ich, es ruhig anzugehen und den zuständigen Projektleitern sinnvoll Feedback zu geben. Deshalb sind wir ja auch Pilot-Bereich: um Verbesserungsvorschläge für die weiteren Umstellungen im gesamten Betrieb zu geben. Einen Vorschlag hatte ich inzwischen und er wurde sehr dankbar aufgenommen, was mich ungeheuer freut.
  • Im Januar kommt immer der Heizungs- und Wasserzähler-Ableser. Dieses Jahr lag der Termin so blöd und war so lang, dass ich definitiv nicht zu Hause sein konnte. Dafür ist Herr Grillenscheucher schon am Vorabend gekommen. Wir hatten einen schönen Abend zusammen und am nächsten Tag konnte ich alles ihm überlassen. Eine große Entlastung.
  • Eine anstrengende, aber interessante Schulung.
  • Über die letzte 3-Tage-Woche taste ich mich diese Woche mit einer 4-Tage-Woche langsam an die 5-Tage-Woche ran. Morgen habe ich mir nämlich einen Urlaubstag zum Geburtstag geschenkt.
  • Die letzten Tage hatte ich irgendwie keine Lust auf Musik auf den Ohren. Aber mein Radio hat letztes Wochenende die deutschen Single-Charts aus der ersten Woche des Jahres 1989 gesendet und auf Platz 1 landete eins meiner liebsten Stücke: „Don’t worry, be happy“. Und da das ja gerade in den dunklen Monaten nicht so leicht ist, stelle ich es hier zur Stimmungsaufhellung mal ein:

Sonne, Hitze und endlich Regen

Schon seit Wochen, ach was seit Monaten beherrscht die Sonne das Hamburger Wetter. Mensch, seit wie vielen Jahren wünschen wir uns hier im Norden mal wieder so einen richtigen Sommer? Aber wenn der dann gefühlte Ewigkeiten lang Temperaturen über 30° C und komplette Trockenheit bedeutet, dann ist es auch nicht recht. Mir jedenfalls nicht, weil ich es nicht mag, wenn ich nur lethargisch auf dem Sofa hängen mag.

Die Gewässer der Stadt sind überwiegend von Blaualgen verseucht, die Fische sterben in Massen und die Alsterschwäne wurden schon vorsorglich in ihr Winterquartier gebracht. 😮 Überall vertrocknen die Pflanzen und die Bäume verlieren ihre Blätter, so dass es auf den Wegen schon wie im Herbst aussieht.

Aber heute sollte es endlich Regen geben. Schon am Vormittag sah der Himmel vielversprechend aus, aber dann schob der Wind die Wolken wieder weg. Am Abend kam er dann doch noch, der Regen. Mit einem Sturm, der sich wortwörtlich gewaschen hatte. Ein Glück ist auf meinem Balkon alles stehen geblieben, aber den Salat hat’s ganz schön gerupft.

Nach maximal einer halben Stunde war der ganze Spuk vorbei. Nicht viel für die durstende Pflanzen- und Tierwelt. Aber es ist doch tatsächlich mal schön, Regentropfen glitzern zu sehen. 🙂

Zurück im Büro

Endlich war ich wieder fit genug, um ins Büro zu gehen. Und ich habe sage und schreibe einen ganzen Arbeitstag gebraucht, um die Mails von nicht mal zwei Wochen zu lesen. Dazu hat mich N. auch noch eine Stunde lang auf den neuesten Stand gebracht. Dabei ist gar nicht viel passiert, es wird nur mehr über das wenige in diversen Arbeitskreisen gesprochen und dann aufgeschrieben. 🙄

  • Gesund zu sein ist eindeutig schöner als krank zu sein. Obwohl ich so gern bei mir zu Hause bin.
  • Für heute war eine Regenwahrscheinlichkeit von 100 % angekündigt und ich bin trotzdem trocken durch den Tag gekommen. Naja, ist ja auch nur eine Wahrscheinlichkeit und keine Gewissheit. 😉
  • W., den Hund meines Lieblingsnachbarn, endlich mal wieder gesehen und geknuddelt. Ich hatte schon befürchtet, es gibt ihn nicht mehr.

Griesgram-Tag

Passend zum Wetter – Regen, Regen, Regen – ist heute der Griesgram-Tag. Genauso waren heute alle drauf: griesgrämig, nörgelig und muffelig. Immerhin schön, dass ich mich nicht allein so gefühlt hab. 😉

  • Trotzdem hatten A. und ich heute gutes Karma oder so, denn wir haben zwei Besprechungen ganz leicht und entspannt mit guten Ergebnissen abgeschlossen, bei denen wir mit viel mehr Widerstand gerechnet hatten.
  • Es gibt CDs, die mich fast immer glücklich machen. Es ist nicht die Band oder der Sänger oder die Sängerin, sondern eben diese eine ganz bestimmte CD. Zu diesen gehört auch „One Voice“ von Barbra Streisand, die bei ihrem Benefiz-Konzert 1987 in Malibu aufgenommen wurde. Es muss fantastisch gewesen sein, das Konzert! In der milden kalifornischen Nachtluft in einem kleinen Rahmen. Eine Karte dafür könnte ich mir allerdings heute noch nicht leisten. Aber wenigstens die CD ist mein und sie hat mich auf dem Heimweg durch den Regen strahlen lassen.

  • Nun habe ich nach diesem Nörgeltag wieder gute Laune. 🙂