Kreuzfahrt auf der Alster

Gestern hielt das Wettervorhersagen-Orakel das, was es versprochen hatte: Sommer-Sonnen-Wetter. Und Herr Grillenscheucher und ich hielten das, was wir uns für diesen Fall vorgenommen hatten: wir lösten die Gutscheine für eine Alsterkreuzfahrt ein, die ich von meinen Kollegen zum Jubiläum geschenkt bekommen hatte. Dafür sind wir sogar – ganz Kreuzfahrt-Profis 😉 – früher als gewöhnlich aufgestanden.

Diese Kreuzfahrtschiffe fahren den ganzen Tag eine bestimmte Route mit diversen Anlege-Stellen über die Alster. Wenn man, so wie wir, ein Ticket für die gesamte Tour hat, kann man den ganzen Tag mit den Schiffen kreuz und quer fahren und überall aus- und wieder einsteigen. Allerdings fahren die Schiffe in einem einstündigen Takt. D.h. dass man beim Aussteigen eine Stunde auf das nächste Schiff warten muss. An einigen Anlegern hätte uns definitiv eine kürzere Zeit gereicht, aber gut, so wurde es ein geruhsamer Tag mit viel Zeit, aufs Wasser zu gucken.

Da kommt das erste Schiff, mit dem wir starteten. Die Schiffe sehen alle gleich aus – außen und innen -, aber natürlich haben sie unterschiedliche Namen.

Herr Grillenscheucher und ich sind gleich am ersten Anleger „Atlantic“ ausgestiegen, weil ich irgendwo mal gelesen hatte, dass es dort in der Nähe ein Hotel mit einem besonders tollen Fahrstuhl gibt. Nein, es handelte sich nicht ums Hotel Atlantic, aber das haben wir unterwegs natürlich auch gesehen. Auf der Terrasse sitzt es sich, glaube ich, nicht so richtig gut wegen der viel befahrenen Straße davor.

Es war das Hotel Le Méridien und eigentlich auch nicht der Hotel-Fahrstuhl, der vollkommen unspektakulär ist, sondern der vom zum Hotel gehörigen Restaurant Heritage. Allein der Ausblick von diesem Restaurant auf die Alster, das im 9. Stock liegt, ist schon irre:

Der Fahrstuhl ist verglast und beim Hoch- und Runterfahren sieht man die Alster. Echt edel.

Anschließend sind wir mit viel Zeit an der Alster zurück zum Anleger marschiert und hatten unterwegs wunderschöne Blicke aufs Wasser.

Zurück am Anleger betrachteten wir das Treiben auf dem Wasser. Der alte Alsterdampfer St. Georg schipperte vorbei und auch jede Menge Möwen.

Die Kirche St. Johannis und unser Fernsehturm sind von dort sehr schön zu sehen.

Dann ging es mit dem nächsten Schiff weiter zur übernächsten Anlege-Stelle, dem Uhlenhorster Fährhaus. Dort haben wir von einer Brücke aus den Feenteich, der voller Seerosen ist, bestaunt.

In der Gegend gibt es jede Menge wunderschöne Häuser, die leider oft ein wenig leblos aussehen. Am besten gefallen hat mir das Konsulat der Republik Tadschikistan – unfassbar, welche Lagen sich Konsulate leisten können!

Der Mann, der dort raus kam, dachte, er hätte unseren BMW eingeparkt. Hihi, wenn der wüsste, welches Auto wir fahren… Ich habe ihn beruhigt und gesagt, dass mir das Haus gut gefällt. Und, juchuh, waren wir fast per Du, jedenfalls sehr nett zueinander. Geht doch. 🙂

Noch mehr schöne Häuser und erstaunlicherweise sind nicht alle weiß.

Besonders verliebt bin ich in das folgende Haus. Erstens ist es unbewohnt und hat eine Art Bauzaun drum rum. Zweitens, und vor allem deshalb, hat es einen wunderschönen riesigen Balkon, den man auf dem Foto an der rechten Seite erkennen kann. Hach, es wäre doch bestimmt ein großer Spaß, dieses Haus zu sanieren und diesen Balkon zu bepflanzen! Wenn man die Kohle und die Zeit dafür hätte…

In guter Nachbarschaft befindet sich das Islamische Zentrum Hamburgs mit einer wunderschönen Moschee. Kürzlich habe ich gelesen, dass Politiker fordern, dass sie abgeschafft wird. Dabei ist sie so ein toller Bau. Aus einer Nebenstraße erahnt man sie erst nur und dann stand ich voller Bewunderung davor. (Nein, ich habe nichts mit dieser oder irgendeiner anderen Religion zu tun. Ich erfreue mich einfach nur an schönen Bauwerken.)

Und wieder saßen Herr Grillenscheucher und ich eine Weile am Anleger und warteten auf unser nächstes Schiff. Wir ließen uns die Sonne auf die Nase brizzeln und hatten eine Menge Spaß mit der Beobachtung unserer Umgebung. Von dort kann man nicht nur den Alsterpark sehen, sondern tatsächlich auch die Elphi. Wie wunderschön sie aussieht neben dem Rathausturm und ein bisschen versetzt dahinter dem Turm vom Mahnmal St. Nikolai.

Welch ein Panorama! Und dazwischen dümpelte die ganze Zeit ein Alster-Radler. Ist ja wohl der neueste Schrei, auf dem Wasser zu radeln. Das soll alle Muskeln und den Gleichgewichtssinn noch viel mehr fördern als das – meiner Meinung nach dämliche – Stand-Up-Paddling.

Ich hoffe nach wie vor, dass der Mensch auf seinem Rad von selbst dort angekommen ist, wo er hin wollte. Denn er hatte zwar ein Segel dabei, aber das hat ihm nichts genützt: kein Wind! Selbst die Segler haben schließlich zu ihren Rudern gegriffen.

Herr Grillenscheucher und ich fuhren mit dem nächsten Schiff weiter bis zur „Endhaltestelle“, dem Winterhuder Fährhaus. Von dort führt die Schiffstour dann wieder zurück Richtung Jungfernstieg. Wir stiegen aus und haben uns den Haynspark angesehen, an dem ich schon so oft mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit vorbei gekommen war, angesehen. Das ist wirklich ein süßer Park! Es gibt ein paar Pavillons:

Auf einem Kinderspielplatz gibt es sogar ein Planschbecken! Das ist echter Luxus. Und Teile von dem Park werden von Nachbarn gepflegt, wie wir auch gleich sehen konnten.

Außerdem gibt es verschiedene Bootsverleiher. An einem wird einem eine Gondel offeriert und an einem anderen Tretboote der verschiedensten Art.

(Der Schwan hatte übrigens mal einen echten Schwan als verliebten Gegenpart und wir wissen ja alle, dass Schwäne treu bis ans Lebensende sind. Egal, wie sie aus ging, ich finde die Geschichte unglaublich traurig.)

Dort, am Winterhuder Fährhaus, haben Herr Grillenscheucher und ich eine längere Pause gemacht und dafür ein Schiff sausen lassen. Dadurch kamen wir in den Genuss des Cafés al volo, in das wir uns sofort verliebt haben. Dort gibt es so viele liebevolle Details, dass einem fast schwindelig wird. Z.B. ein sehr beeindruckendes Schild in der Toilette:

Genau, wer würde schon seine Träume im Klo versenken? Hoffentlich niemand!!!

Und wieder warteten wir eine Weile am Anleger Winterhuder Fährhaus auf unser nächstes Schiff.

Einen Anleger später, an der Streekbrücke, sind wir wieder ausgestiegen. Dort wird nur auf dem „Rückweg“ vom Winterhuder Fährhaus angelegt, denn in die andere Richtung gibt es einfach keinen Anleger. Unterwegs haben wir uns mal nach draußen gestellt – Sitzplätze gab es dort nicht ein einziges Mal. Die waren immer besetzt. 🙁

Erst nachdem Herr Grillenscheucher und ich dort durch einen kleinen Park und ein paar Straßen gelaufen waren, fiel mir auf, dass ich auch an der Streekbrücke vorbei komme, wenn ich mit Olga zur Arbeit fahre. Insofern war die Gegend nicht so spannend für mich, obwohl es so einige hübsche Häuser gibt. Aber die hatten wir ja an diesem Tag zur Genüge. Viel schöner fand ich diese Trauerweide:

Und wieder saßen wir an einem Anleger und warteten auf unser nächstes, dieses Mal letztes Schiff. Wir witzelten über einen Sportler, der sich vor unseren Augen in seinen Neopren-Anzug warf und diverse gymnastische Übungen absolvierte, bevor er sich mit einem sehr kleinen Board ins Wasser warf und mit den Armen ruderte. Training für’s Surfen? Wir wissen es nicht, aber ich konnte endlich ein Foto vom Anleger machen, nachdem der Typ ins Wasser verschwand.

Das letzte Schiff der Kreuzfahrt brachte uns zurück zum Jungfernstieg. Immer noch war draußen kein Platz frei, aber ich habe es sehr genossen, drinnen zu sitzen und einfach nur zu gucken. Die Alster war voller Boote jedweder Art. Es waren unglaublich viele Segelboote unterwegs, auf denen wegen der Windflaute die Ruder ausgepackt wurden. Ein Segelboot wurde bereits von einem Motorboot abgeschleppt. Tja, man sollte sich schon überlegen, bei welchem Wetter man sich auf ein Segelboot begiebt, gell.

Für Herrn Grillenscheucher und mich war es ein wunderschöner Tag dank meiner lieben Kollegen. 🙂 Und wenn jemand einige der hochpreisigen Viertel Hamburgs erschließen möchte, ist so eine Alsterkreuzfahrt eine sehr gute Gelegenheit dafür.

Chania oder griechisch shoppen

Der nächste Hafen, den die Mein Schiff 1 mit uns anlief, war Souda auf Kreta. Die Sonne schien und es war angenehm warm.

TUI Cruises betitelte diesen Stopp mit Souda / Chania. Vielleicht kam es uns deshalb nie in den Sinn, uns Souda anzusehen. Vermutlich war das kein Verlust, aber beurteilen können wir das natürlich nicht. Stattdessen wollten wir uns den 7 km entfernten Ort Chania ansehen und zwar auf eigene Faust. Interessanterweise blieb uns auch nichts anderes übrig, denn die TUI bot ihren gewohnten Shuttle-Service für 9 € pro Nase hin und zurück gar nicht an. 😮 Lernen die Griechen wirklich, Geld zu verdienen?

Um 10 Uhr waren wir mit C. und M. verabredet und machten uns gespannt auf die Socken. Am Hafen standen jede Menge Taxen und die Fahrt nach Chania hätte uns zu viert nur 10 € gekostet. Zurück allerdings das Doppelte. Die Griechen lernen wirklich, Geld zu verdienen! 😉 Außerdem gab es Shuttle-Busse für 3,40 € pro Person hin und zurück, die ca. alle 10 Minuten fuhren. Also haben wir auf die erpresserischen Taxifahrer verzichtet und den Bus genommen. Direkt an der Markthalle in Chania war die Haltestelle. Wie praktisch, die wollten wir eh angucken. Sie hat eine ziemlich beeindruckende Dachkonstruktion.

Dort begann auch unsere Shopping-Tour. Herr Grillenscheucher fand den ersehnten und benötigten neuen Gürtel und C. schlug ebenfalls zu. Weiter ging es durch Einkaufsstraßen mit Blick auf schneebedeckte Berge, was sich seltsam anfühlt, wenn einem gerade im T-Shirt schon fast zu heiß ist.

Unser nächstes Ziel war der venezianische Hafen. Unterwegs versperrten schlafende Hunde Ladeneingänge, links und rechts gab es kleine Höfe und Gassen und ein Brunnen war auch noch zu bewundern.

Der Hafen ist wunderschön anzusehen mit seinen Häusern in warmen Farben, dem Leuchtturm und der Moschee, die von einem einzelnen Polizisten bewacht wurde. Es gibt eine alte Festungsanlage, natürlich auch Boote und Stände, die Schwämme und Haifisch-Gebisse verkaufen.

Unser letztes geplantes Ziel für heute war die Synagoge, von der mir eine Freundin erzählt hatte. Herr Grillenscheucher zeigte uns die Richtung, in der sie ungefähr zu finden sei, und los ging es. Ungeplant, Hauptsache, die Richtung stimmte. Lustig, wenn man durch Gassen und Hinterhöfe kommt, die jetzt nicht unbedingt für die Touristen gedacht sind und voller Mülleimer sind. Auf diese Art und Weise sahen wir aber auch diverse Kirchen und ihre Türme, jede Menge Gassen und eine riesige Wiese voller Kamille, die betörend duftete.

Immer wieder sahen wir kleine Gedenkstätten, die an die Toten erinnern sollen.

Mir wird bei so einem Anblick ja eher mulmig zumute. Viel schöner fand ich, dass überall Stühle und Tische einladend draußen standen.

Schließlich fanden wir die Synagoge. Sie war winzig und voller Menschen. Wir haben nur einen kurzen Blick rein geworfen, fühlten uns aber irgendwie fehl am Platz. Was wir wahrscheinlich nicht waren, denn um uns rum waren hauptsächlich auch Touristen, aber eben nicht nur. Also wandten wir uns weltlicheren Dingen zu: dem Essen. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz wurden wir gekobert, wie man in Hamburg sagt. Wir wurden nämlich einfach angesprochen, ob wir was trinken oder essen wollen. Uns wurde dabei quasi alles vom Frühstück bis zum Abendessen versprochen, was uns eigentlich hätte stutzig werden lassen sollen. Aber gut, es sah nett aus und das Toast, das Herr Grillenscheucher und ich uns teilten, war in Ordnung. Donany hat die Pause in jedem Fall genossen.

Frisch gestärkt ging es weiter und wir sahen uns die Kathedrale von Chania an, die sehr interessante Kirchenstühle hat. Ich finde, die sehen irgendwie königlich aus.

 

Danach zog es C. und M. zurück aufs Schiff, denn C. war das Gyros leider nicht so gut bekommen. Herr Grillenscheucher und ich stromerten weiter durch die Straßen und Gassen und liefen shopping-mäßig zu Höchsttouren auf – also, was für uns Höchsttouren sind. Wir sind ja gewöhnlich nicht die Shopper schlechthin.

Es fing damit an, dass ich für einen speziellen Anlass auf dieser Kreuzfahrt eine Clutch brauchen würde. Das war mir erst unterwegs klar geworden. Ich suchte also nach der ersten Clutch meines Lebens, die ich vermutlich später nie wieder verwenden könnte – Wer will denn schon dauernd so ein Ding in der Hand halten? -, aber für diesen Fall gab es keine andere Lösung. Und ich wurde tatsächlich fündig – in einem Juwelierladen. 😮 Nee, so teuer war sie zum Glück nicht.

Unterwegs auf der Clutch-Suche kamen wir am nautischen Museum vorbei, sahen nochmal den venezianischen Hafen und freuten uns an vielen schönen Details.

Herr Grillenscheucher und ich trauten uns nochmal in die weniger ruhige sogenannte Ledergasse, wo ich ein blaues Portemonnaie erstand. In dieser Gasse gibt es fast nur Lederwaren – vor allem Taschen und Geldbörsen. So richtig verschieden sind die angebotenen Waren in den diversen Läden weder von der Art noch vom Preis nicht, höchstens von der Farbauswahl.

Und zum Schluss haben wir der Markthalle noch einen Besuch abgestattet, der sich wirklich gelohnt hat. Denn in den Quergängen gab es tatsächlich Markt, wie man ihn sich vorstellt. Den Teil hatten wir am Morgen gar nicht beguckt.

Es gab sogar richtig dunkelrote Ostereier – das sind, wie wir gelernt hatten, die „echten“ für das griechische Osterfest, das ja erst am nächsten Wochenende stattfinden würde.

Und es gab einen Stand, der Honig und Olivenöl verkaufte, und bei dem wir den Honig sogar probieren durften. Ich liebe Honig, bin aber ziemlich wählerisch. Gelernt hatten wir, dass man sowohl Öl als auch Honig am besten in Blechkanistern kauft. Darin könnten sie keiner Sonneneinstrahlung ausgesetzt worden sein. Honig in solchen Behältern gab es aber überall nur als Thymian-Honig. Hm, würde der nach Thymian schmecken? Das fände ich nicht so lecker. Tat er aber nicht – juchuh! Dafür war er sehr lecker. Also gab es einen kleinen Kanister Honig und einen noch kleineren Olivenöl, der inzwischen hoffentlich meinem Lieblingsnachbarn als Dankeschön mundet.

Am späten Nachmittag kamen Herr Grillenscheucher und ich in einem ziemlich vollen Bus zurück aufs Schiff und haben uns erstmal einen anständigen Kaffee gegönnt. Um 18 Uhr legten wir mit Typhoon und Auslauf-Lied ab. Hach, ich liebe diese Prozedur! Nochmal hatten wir einen guten Blick auf die seltsamerweise schneebedeckten Berge.

Danach gab es noch einen Prosecco im Casino, wobei wir E. und G. kennenlernten. Ihre Kabine war eine von mehreren, die durch einen geplatzten Schlauch der Sprinkleranlage unter Wasser gesetzt wurde. Zum Glück gab es noch leere Kabinen an Bord, in die sie umziehen konnten. Allerdings gab es kein Upgrade, sondern nur eine Entschuldigung vom Schiff. Ich fand es total beeindruckend, wie unaufgeregt und ungenervt die beiden mit dieser Situation umgingen. Vielleicht hatten sie sich die Aufregung und Genervtheit inzwischen abgewöhnt, denn sie waren schon seit Singapur auf dem Schiff.

Für den Abend waren Herr Grillenscheucher und ich mit C. und M. und den Bekannten von C. – I. und N. – zum Essen im Atlantic verabredet. Wir haben lecker gespeist und uns hinterher auf dem Pooldeck zur Pool-Party verabredet. Die Party war rein musikmäßig überhaupt nicht nach dem Geschmack von Herrn Grillenscheucher und mir. Es wurde gerade mal ein einziges Lied gespielt, nach dem wir Lust hatten zu tanzen. Man könnte jetzt aber auch nicht sagen, dass alle anderen ihren Spaß hatten. Dann wäre es ja in Ordnung gewesen. Die meisten machten wenn dann eher mit, weil es eben nichts anderes gab. Schade.

Herr Grillenscheucher und ich seilten uns deshalb dort ab und verbrachten noch eine angenehme Zeit im Casino. Erst spät sind wir ins Bett gegangen, aber zum Glück war die Uhr für uns: sie wurde in dieser Nacht eine Stunde zurück gestellt.