Laubgeraschel vor der OP

Nach eineinhalb Wochen und 3 Untersuchungen im Krankenhaus war immer noch nicht klar, wo eigentlich der Herd der Metastasen in meinem Kopf ist. Es sollte auch noch eine ganze Weile dauern bis der gefunden wurde. Klar war aber, dass die Metastasen raus aus meinem Kopf müssen. Man gab mir endlich Cortison, was meine Bewegungsfähigkeit deutlich verbesserte, und plante einen OP-Termin.

Ein Glück durfte ich vorher nochmal für ein paar Tage nach Hause – Hafterleichterung. Die Eltern von Herrn Grillenscheucher holten uns ab und brachten uns mit leckerem Kuchen in die Wohnung von Herrn Grillenscheucher. Herrlich: Latte Macchiato mit Kuchen am Tisch! Ein ganz anderes Gefühl als auf dem Krankenhausbett am Nachttisch zu essen.

Herr Grillenscheucher und ich verbrachten ein verlängertes Wochenende im Laubgeraschel mit Spaziergängen um den Appelhoffweiher.

Und zu unserem großen Glück konnten wir unseren 20. Jahrestag bei Herrn Grillenscheucher zu Hause statt im Krankenhaus verbringen. Wir versuchten zu verstehen, was uns das Leben gerade vor die Füße geschmissen hat. Was uns nicht wirklich gelang. Ich füllte eine Menge Vorsorgeunterlagen aus, damit Herr Grillenscheucher handlungsfähig bleibt, sollte irgendwas total schief gehen. Danach fühlte ich mich zumindest etwas beruhigt.

Tja, und dann kam der Tag, an dem ich zurück ins Krankenhaus musste. Ein Dienstag. Am Mittwoch sollte die geplante OP stattfinden. Wieder fuhren uns die Eltern von Herrn Grillenscheucher und gaben mir aufmunternde Geschenke und ganz, ganz tolle selbst gestrickte Bettsocken mit. 🙂

Wir begaben uns auf meine Station, wo wir eher irritiert empfangen wurden. Dringendere Fälle wären zu operieren und meine OP müsse verschoben werden. Ja, haben die denn die Entwicklung der letzten 100 Jahre oder so verpasst??? Wozu gibt es eigentlich Telefone??? Unfassbar!!!

Der Arzt, mit dem es deshalb ein kurzes Gespräch gab, kotzte sich bei uns eigentlich auch nur über die Zustände im Krankenhaus aus. Und so ging es für weitere 2 Tage zurück in die Wohnung von Herrn Grillenscheucher. Seine Eltern waren längst unterwegs zu anderen Terminen und weil es in Strömen regnete, gönnten wir uns ein Taxi. Teuer, aber mit einer sehr lustigen Fahrerin mit knallrot gefärbten Haaren und einem sehr angenehmen Parfum.

Letztlich fand die OP am Freitag statt. Der Donnerstag war ein Feiertag, an dem ich zurück ins Krankenhaus musste. Abends gab’s zur Nervenberuhigung nochmal Wein im Schweinske.

Die letzten Auszeit-Tage

Ich merke, dass mich der Herbst mit seinem schwindenden Licht, dem Regen und den deutlich kälter gewordenen Temperaturen gerade ziemlich runter zieht. Noch dazu geht für mich der Alltagstrott wieder los und die Wecker lärmen zu nachtschlafener Zeit. Also ist es wohl eine gute Idee, mich mit der Konzentration auf die guten Dinge in meinem Leben aufzumuntern. Allerdings gibt es sie ab jetzt hier nicht wieder täglich, sondern als Sammelsurium aus einer Woche, damit ich auch noch dazu komme, mal über was anderes zu schreiben.

Los geht’s von Donnerstag bis Mittwoch – Montag bis Sonntag wäre doch irgendwie zu langweilig 😉 – die Woche vom 27. September bis zum 3. Oktober:

  • Es gab noch einen letzten Auszeit-Ausflug. Herr Grillenscheucher und ich haben zusammen mit seinen Eltern das verschlafene Buxtehude beguckt und das Wetter war brav trocken.
  • Ich habe Heidepflanzen auf dem Wochenmarkt gekauft und dabei ein neues Wort gelernt: Rudelpflanzen. 😉
  • Die Pflanzen habe ich umgehend eingetopft, während Herr Grillenscheucher so lieb war und meine Balkonmöbel in den Keller verfrachtete. Mein Balkon ist auf den Winter vorbereitet.
  • Obwohl ich überhaupt keine Lust dazu hatte, war es richtig schön beim Tanzen. Wir haben eine Figur im langsamen Walzer gelernt, die wir eigentlich kannten, aber komplett verdrängt hatten. Dabei ist es eine so eine nette, kleine Figur.
  • Herr Grillenscheucher sind nun 19 Jahre zusammen und zum Glück ist der Tag für uns keine heilige Kuh. Wir konnten entspannt erst einen Tag später gemeinsam darauf anstoßen.
  • Der Feiertag mitten in der Woche.
  • Ein nieselverregneter Tag, aber als ich mich zur Post und zum Einkaufen begab, war es trocken von oben. Das war sehr rücksichtsvoll vom Wetter.
  • Herr Grillenscheucher und ich haben mit Geschenken viel Freude verbreitet.
  • Ich habe meine Schuhsammlung um je ein Paar in blau und in grau erweitert. Genau genommen habe ich die beiden alten Schuhpaare damit ersetzt, denn die sind schon völlig ausgelatscht. Dann darf das ja auch mal sein.
  • Herr Grillenscheucher hat ganz viele tolle Rezeptideen für den Herbst (auch wenn ich lieber leugnen würde, dass es Herbst ist).
  • Ich bin zutiefst dankbar, dass ich 2 Monate lang Urlaub hatte. Wunderschöne Ausflüge durfte ich ganz entspannt erleben. Den jährlichen Herbstputz habe ich bewältigt. Meine Wohnung und meinen Balkon habe ich ausgiebig genossen. Das Wetter war die meiste Zeit sehr, sehr fein. Es ist ein großes Glück, dass ich das machen darf!
  • Vorhin gab es einen wunderschönen Abendhimmel:

  • Es war eine gute Idee, die guten Dinge aufzuschreiben. Jetzt habe ich doch glatt viel bessere Laune. 🙂

Zu zweit vergesslich

Ja, ja, wir werden älter, Herr Grillenscheucher und ich. Und man sollte öfter einen Blick in den Kalender werfen. Seufz.

  • Heute habe ich mal wieder genauer in meinem Kalender gelesen und festgestellt, dass Herr Grillenscheucher und ich unseren 16. Jahrestag komplett ignoriert haben. Der war schon letzte Woche am 1. Oktober – auch noch ein so einfaches Datum. 😳 Welch ein Glück, dass wir beide nicht dran gedacht hatten! So war keiner beleidigt, wir haben uns nachträglich gratuliert und feiern einfach am Wochenende nach.
  • Die Sommer-Bettdecke ist gewaschen und konnte flugs in der Herbstsonne trocknen. An sich kein so gutes Ding, aber ich freu mich trotzdem schon auf die kuschelige Winter-Bettdecke nachher. Ist nämlich echt schon ganz schön kalt nachts.
  • Eine Pause mit nackten Füßen auf dem Balkon in der Sonne zwischen der Erledigung von lauter Haushaltskram.