Der Nachtrag vom Wochenende

Heiß war es, das Wochenende. Sehr heiß. So ein Glück, dass wir es bei Herrn Grillenscheucher verbrachten, dessen Wohnung doch erheblich kühler ist als meine unterm Dach. Dennoch schön, endlich ein paar Sommertage am Stück zu haben. 😎

Die guten Dinge von Freitag:

  • Draußen war es viel angenehmer als drinnen, denn der warme Wind gaukelte einem ein bisschen Kühle vor. So war das Einkaufen wesentlich erträglicher als ich es befürchtet hatte.
  • Am Gemüsestand auf dem Wochenmarkt gab es alles, was wir für eine Ratatouille brauchten, vom Händler selbst im Alten Land angebaut. Das ist so klasse, mit wie viel Begeisterung er dabei ist, Gemüse selbst zu ziehen. Sogar welches, das er gar nicht kennt und worüber er nur gelesen hat. Ganz stolz zeigte er uns auf seinem Handy ein Foto seiner ersten Horngurke. (Kinder hat der Mann auch, aber er zeigt lieber Horngurken. 🙂 ) Noch sind sie nicht reif, aber demnächst können wir sie bei ihm kaufen. Na, wir sind schon mal gespannt, weil wir die auch nicht kennen, aber bestimmt probieren werden.

226_Gemüse

  • Natürlich die Tanzstunde. Spaß hat’s gemacht und wir haben weiter an der Fehlerbeseitigung unserer Tango-Haltung geübt.

Die guten Dinge von Samstag:

  • Immer noch Sonnenschein pur und wir sind auf „Dat Uhlenfest“ gegangen. Ein Straßenfest, auf dem wir noch nie waren, auf dem aber unser MarmeLaden angekündigt war. Wunderbarerweise lag der Straßenzug, auf dem es stattfand, fast komplett im Schatten und es war nicht besonders voll. So war es ein netter Spaziergang vorbei an ziemlich netten Verkaufsständen und diversen Foodtrucks, die wir schon vom Straßenmampf kennen. Für mich gab es einen hübschen Ring und beim MarmeLaden haben wir richtig zugeschlagen und unsere Vorräte aufgestockt. Dazu gab es Kochtipps und ein feines Gespräch mit den beiden, die hinter dem Laden stecken. Wir haben dieses Mal außer den alten bekannten Sorten auch sehr interessante Mischungen wie Tomate-Hagebutte-Apfel gekauft. Ein Rezept von 1932, wurde uns gesagt. Zum Glück darf man an diesem Stand alles probieren, bevor man es kauft. 😉 Die Barbecue-Soße hat definitiv Suchtcharakter – wir müssen unbedingt Frikadellen dazu machen. Hach, ja, ich liebe diesen Stand! Insbesondere auch dafür, dass wir als Stammkunden das Zeug von hinter der Theke kriegen, wie z.B. die wilde Mirabelle.

228_Ring     227_Marmelade

  • Danach gab es einen geteilten Becher Melonenstücke und noch einen kurzen Abstecher an die Alster, bevor wir uns wieder gen Heimat aufmachten.

03_Alster

  • Die Abendsonne bei Herrn Grillenscheucher auf dem Balkon zusammen mit Prosecco genossen. Und dann ging’s dem oben erwähnten Gemüse an den Kragen. Richtig, richtig lecker ist es geworden!

Die guten Dinge von heute:

  • Für unsere Verhältnisse einigermaßen früh aus dem Quark gekommen und noch ganz in Ruhe frühstücken können, bevor wir los mussten zu unserer Verabredung.
  • Wir hatten uns für die Führung „Nebenschauplätze“ von Hinz und Kunzt angemeldet. Trotz Hitze und Sonnenschein kamen fast 50 Interessierte. Das fand ich schon irre. Treffpunkt war in der Hinz und Kunzt Zentrale, die mitten in der Innenstadt ist. Ich war ganz fasziniert, dass es dort so viele Wohnungen gibt, wo ich immer nur Büros vermutet hab. Wir wurden in 2 Gruppen aufgeteilt und dann ging’s los. Zuerst ein Vortrag über Hinz und Kunzt und über das Wohnungs- und Obdachlosendasein im Allgemeinen. Harald erzählte sehr persönlich darüber, wie es ihm ergangen ist und warum er obdachlos wurde. Ein bisschen später als die andere Gruppe gingen wir auch los. Gerade fing es an zu regnen. Unterwegs erzählte Harald Herrn Grillenscheucher und mir von seinem Hund Sina und da er neuerdings ein Smartphone hat, gab es auch stolze Fotos. Was für ein wunderschöner Hund! 🙂 Erster Halt war am City-Hof, in dem es zwei Einrichtungen für Obdachlose gibt. Ein Glück konnten wir dort überdacht stehen, während Harald erzählte und wir Fragen stellen durften. Es regnete und donnerte derart heftig, dass unsere Gruppe fast auf die gesamte Tour verzichtete und Harald einfach nur zuhörte und Fragen stellte. Die andere Gruppe war weiter gegangen und ist bestimmt pitschnass geworden. Es war unglaublich interessant und spannend und berührend. Ich hab ganz viel über die Probleme, Befindlichkeiten und Möglichkeiten von Obdachlosen gelernt. Ich habe endlich begriffen, warum das Verkaufen von Hinz-und-Kunzt-Zeitungen wirklich hilft, nämlich nicht allein wegen des kleinen Einkommens dadurch, sondern weil es einem hilft, die Tage zu strukturieren, und weil es bei Hinz und Kunzt Leute gibt, die einem bei so ziemlich allem helfen, wenn man Hilfe annehmen kann. Auch wenn das Wetter nicht mitspielte, war es ein richtig toller Nachmittag!
  • Hier stehen jetzt die Fenster sperrangelweit offen. Draußen regnet es immer mal wieder. Die Luft kühlt allmählich ab. Das tut gut!

Die Reeperbahn und drum herum

Es gibt noch so einige Ausflüge aus meiner Auszeit nach zu tragen. Ich fange mal chronologisch an.

Dass Herr Grillenscheucher und ich überhaupt mitten am Tag auf der Reeperbahn waren, hatte zwei Gründe: das Bismarckdenkmal mit seinem kleinen Park und den Straßenmampf. Von beidem hatte ich gelesen. Der Park soll demnächst ein bisschen verschönert und mit einer Fußgängerbrücke  mit dem riesigen Park „Planten und Blomen“ verbunden werden. Ich wollte ihn gern vorher nochmal sehen, um hinterher auch beurteilen zu können, ob er tatsächlich schöner wurde. Ja, da kann ich pingelig sein. 😉 Beim Straßenmampf versammeln sich diverse Food-Trucks auf dem Spielbudenplatz, der auf der Reeperbahn ist – das klang einfach total lecker.

Wir fingen also mit dem Bismarckdenkmal und dem kleinen Park an. Davor stolperten wir noch über die süße Millerntorwache:

02_Millerntorwache

Das Denkmal ist ein riesiger Klotz und es ist erstaunlich, dass es nicht schon von weitem sichtbar ist. Irgendwie lugt es immer nur ganz kurz zwischen lauter Bäumen hervor und man erschreckt sich fast, wenn man plötzlich davor steht.

03_Bismarck 13_Bismarck_von_vorn 04_Bismarck_ganz

Unten ums Denkmal gibt es eine Reihe von Männerstatuen, sehr hübsche zum Teil, auch wenn ziemlich viel Graffiti drauf ist:

08_Männerstatue     09_Männerstatue

Man hat von dort oben einen schönen Blick durch die Bäume auf den Michel und die Tanzenden Türme:

06_Michel     07_Tanzende_Türme

Ich war ganz überrascht, dass sich außer uns diverse Touristen das Denkmal anschauten. Es gibt doch nun wirklich viel schöneres in unserer Stadt anzusehen.

Vom Denkmal aus sind wir durch den Park, der was waldähnliches hat, Richtung Elbe gegangen. Wir kamen an der Jugendherberge „Auf dem Stintfang“ vorbei, die einen erstklassigen Blick auf den Hafen hat. Wow! Ich habe mal gelesen, dass man dort sehr früh im Voraus reservieren muss, um noch eine Chance auf ein Bett zu haben. Das wundert mich jetzt nicht mehr. Die Aussicht von dort ist nämlich ungefähr so:

14_Rickmer_Rickmers_beflaggt 15_Elphi_mit_UBahn 18_Landungsbrücken

Direkt unterhalb der Aussichtsplattform vor der Jugendherberge, von der ich diese Fotos gemacht habe, liegt der Hamburger Weinberg. Der Wein aus den Trauben wird von der Hamburger Bürgerschaft produziert und nur an außergewöhnliche Gäste der Stadt verschenkt. Man darf sich also wichtig fühlen, wenn man so eine Flasche Wein bekommt. 😉

17_Weinberg     19_Weinberg_Elbe

Unterhalb des Weinbergs gibt es noch eine Aussichtsplattform mit weiteren schönen Aussichten z.B. auf die Elbphilharmonie mit der Schwedischen Kirche im Vordergrund:

22_Elphi_schwedische_Kirche

Von dort sind wir zurück Richtung Reeperbahn gegangen und hatten unterwegs nochmal einen schönen Blick auf das Bismarckdenkmal:

23_Bismarck

Wir kamen vorbei an den Tanzenden Türmen, die mich ja irgendwie faszinieren:

27_Tanzende_Türme_ganz 24_Tanzende_Türme 26_Tanzende_Türme

In dem Gebäude, das früher mal in etwa an der Stelle der Türme stand, befand sich der Mojo Club. Heute hat er seine Räume quasi im Keller der Türme und man betritt ihn sozusagen durch den Bürgersteig. Die Bodenluken öffnen sich zur Einlasszeit. Coole Idee!

25_Eingang_Mojo_Club

Bis zum Beginn des Straßenmampf sind wir über die Reeperbahn und ein bisschen durch Seitenstraßen geschlendert. Schon verrückt, wie dort käuflicher Sex neben Jugendstil und Fachwerk existiert.

44_Pink_Palace 38_Altbau_Balkone 43_rosa_Fachwerk

Wir kamen in einer Nebenstraße an einem alten Schulgebäude vorbei, in dem es früher getrennte Eingänge für Knaben und Mädchen gab. Ich bin immer wieder irritiert, dass das offenbar mal notwendig erschien – die getrennten Eingänge.

37_Eingang_für_Knaben     35_Eingang_für_Mädchen

Eine Weile später standen wir vor einem Sammelsurium aus einer Art Blockhütten mit einem wunderschönen Garten. Die  so komplett unterschiedliche Bebauung rund um die Reeperbahn ist nahezu verrückt. Später habe ich im Internet nachgelesen, dass es sich bei den Blockhütten um einen Verein von St. Ansgar handelt, der zugunsten Bedürftiger und Suchtkranker gegründet wurde – die Alimaus.

39_Alimaus 41_Alimaus 42_Alimaus

Und dann war es endlich so weit: Straßenmampf – Hunger! Wir kamen ja vor der Öffnung vorbei und haben ein wenig geguckt. Das ließ sich schon gut an. Es gibt zwei lange Reihen mit Food-Trucks und in der Mitte lange Tische mit Bierbänken, so dass man nicht gezwungen ist, im Stehen zu essen. So sah das vor und nach Beginn aus:

28_Spielbudenplatz_Tischreihen     50_volle_Tischreihen

Die Food-Trucks sind zum Teil wunderschön und sehr phantasievoll:

32_Hackbaron 46_Somersby 45_Burrito_Food_Truck

Nachdem wir uns alle Trucks angesehen und sämtliche Speisekarten gelesen hatten, haben wir geschlemmt! Zuerst haben wir uns Pulled Beef geteilt und danach den leckersten Cheeseburger, den ich jemals in meinem Leben gegessen habe. Boah, war das gut!!! Bei diesen beiden Trucks waren wir:

48_Soulfoodtruck     51_BBM_Truck

Das Essen hat sehr glücklich gemacht und inzwischen hatten sich die Wolken komplett verzogen. Entsprechend guter Laune haben wir uns noch vor eine Bar, die unten in den Tanzenden Türmen ist, in die Sonne gesetzt und was getrunken. So ein toller Tag mit so vielen neuen Eindrücken!

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