Pommes rot-weiß

Natürlich dauerte es noch eine Weile, bis ein Bett für mich organisiert war. Und natürlich war bis dahin das Abendessen dieses Tages längst Geschichte. Deshalb hatten Herr Grillenscheucher und ich uns vorgenommen, im Schweinske, das direkt gegenüber vom Krankenhaus war, essen zu gehen.

Die Nachtschwester, die mich auf der Station empfing, fand die Idee nicht so toll. Mit dem Armbändchen des Krankenhauses am Handgelenk darf man das Gelände desselben nämlich eigentlich nicht verlassen.Vermutlich aus Gründen des Versicherungsschutzes oder so. Zum Glück wird man trotzdem weder kontrolliert noch eingesperrt.

Sie gab uns noch mit, dass die Besuchszeit um 20 Uhr endet. Bis dahin sollten wir also zurück sein. Eine Bestätigung dieser Regelung fanden wir allerdings nirgendwo. Lediglich gab es an den Türen mancher Stationen den Hinweis, dass in diesen die Besuchszeit um 22 Uhr endet. Ich glaube ja nach wie vor, dass die Schwester das nur sagte, damit die beiden alten Damen, mit denen ich das Zimmer teilte, wie gewohnt früh einschlafen konnten.

Also gab es Pommes rot-weiß. Nicht, dass das mein Lieblingsessen wäre, aber es war das einzige, was ich mir in diesem Lokal vorstellen konnte. Und brav waren wir um 20 Uhr zurück. Meine erste Nacht im Krankenhaus brach an.

One thought on “Pommes rot-weiß

  1. Klar, eigentlich darf man das Krankenhausgelände nicht verlassen. Eigentlich können Hummeln ja auch nicht fliegen. Was sie aber gottlob nicht wissen.

    Ich habe jeden Abend in besagtem Schweinske gesessen – um mal durchzuatmen und mein Medizynisches Bulletin zu schreiben. Und irgendwann entwickelt man dann den Blick dafür. Für das Bändchen am Handgelenk, den Zugang in der Armbeuge, die Socken mit dem Namen der Klinik, derlei halt.

    Manchmal waren mehr als die Hälfte der Gäste mit einem oder mehreren dieser Utensilien bestückt… was ich angesichts des „Essens“ in der Klinik nur zu gut verstehen kann.
    Tut mir leid, aber die Anführungszeichen müssen sein. Als Essen war das manchmal nur zu erkennen, weil’s draufstand.

    Blöderweise gilt das auch für das Schweinske…

    Mal ganz ehrlich – ein anständiger Mantateller ( für die jüngeren: Currywurst mit Pommes Rot-Weiß ) und ich können echt gute Freunde werden. Das ist dann eine kurze, intensive Beziehung, fast wie ein One-Night-Stand – man denkt leicht beschämt, aber doch irgendwie sehnsüchtig daran…
    Dann geht man zu Schweinske in der Hoffnung auf genau sowas. Und bekommt einen Teller, der aussieht wie eine Kreuzung aus Hundefutter und einem Salvador-Dali-Projekt ( als der Meister grad ’nen echt schlechten Tag hatte ). Hurra.

    Das einzige, was man essen konnte waren eben Pommes rot-weiß….

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