Leuchter in Pink

Dieses Wochenende war wieder Denkmal-Tag. Jedes Jahr freuen Herr Grillenscheucher und ich uns darauf, Bauten besichtigen zu dürfen, in die man sonst meist nicht so einfach rein darf. Fast immer gibt es zusätzlich eine kostenlose Führung voller interessanter und lustiger Geschichten.

Manchmal muss man sich für so eine Führung vorher anmelden und so war es auch bei unserer Besichtigung vom Hotel Reichshof am Samstag. Natürlich kommt man in ein Hotel auch ohne den Denkmaltag, zumindest in die öffentlichen Bereiche. Aber wer erzählt einem dann die Geschichten? Außerdem hatten wir uns vorher die Webseite angesehen und waren vollkommen beeindruckt von der Eingangshalle.

Das blieben wir auch als wir sie in natura sahen. Wow! Und erst diese pinkfarbenen Leuchter…

Die Geschichte dazu ist zum Quieken. Das Gebäude wurde 4 Jahre lang sehr aufwändig saniert und restauriert. Es steht unter Denkmalschutz, so dass so gut wie alles, was noch vorhanden war, erhalten werden musste. Diese Leuchter hingen schon früher dort – ohne diese pinken Plexiglasteile selbstredend. Wegen der sehr hohen Decke hat man sich dann überlegt, dass es schöner wäre, wären die Leuchter insgesamt länger als im Originalzustand, und man entschied für eine optische Verlängerung aus Plexiglas. Nur ein paar Tage vor der Wiedereröffnung des Hotels im Jahr 2015 kamen die Teile an und wurden eingebaut. Na, da war die Überraschung aber groß, dass sie durch die Lichtbrechung nicht schlicht durchsichtig wirken, sondern pink! 😮 Es war zu spät, um neue anfertigen zu lassen, die vielleicht anders auf das Licht reagiert hätten. Und heute sind sie stolz darauf und finden, dass das Pink auch gut zur Langen Reihe passt, die direkt um die Ecke und so eine Art Hauptquartier der Schwulen dieser Stadt ist. Ich persönlich finde, dass es auch super in die Eingangshalle passt.

Erstmals wurde das Hotel 1910 eröffnet und avancierte zu einem beliebten Treffpunkt. Im Café in der Eingangshalle wurde nicht nur leckerer Kuchen gegessen, sondern auch getanzt. Heute sieht es auch sehr angenehm aus und der Service ist ausgesprochen freundlich.

Es gibt eine ruhige Lounge, Marmortreppen und noch das alte Fahrstuhl-Schild. Wunderbar, all diese Details, die erhalten wurden!

Am Marketplace bekamen wir gleich zu Beginn Wasser angeboten. Das Wasser kommt aus einer Quelle aus der Lüneburger Heide, die direkt im Keller des Hotels angezapft wird. Faszinierend, was 1910 schon möglich war! Und das Wasser war echt lecker.

Die Eingangstür ist immer noch eine Drehtür und einen alten Tresor darf man auch noch bewundern.

Wir wurden durch diverse Separees geführt, die heute hauptsächlich als Konferenzräume genutzt werden. Früher waren sie eben Separees, in denen die betuchtere Gesellschaft speiste und Blick auf den Mob im eigentlichen Restaurant hatte. Man konnte sogar die Fenster runter schieben, so dass man das Geschehen unten mit bekam. Das Restaurant ist dem auf der Titanic nachempfunden und einmal im Jahr gibt es dort ein sogenanntes Titanic-Essen. Dabei werden die Gäste gebeten, ihre Kleidung an die damalige Zeit soweit möglich anzupassen. Irgendwelche Witzbolde kommen dann immer mit Schwimmflügeln. Kann man machen, muss man aber nicht.

Immer wieder waren wunderschöne Fensterbilder zu bewundern.

Wir kamen in die Bar, die früher eine Raucherbar war. Entsprechend mühsam war es für die Restaurateure, das Holz und die Decken zu säubern. Es ist ihnen aber super gelungen.

Während der Restaurierung wurde ein Tunnel gefunden, der von der Bar zum nebenan liegenden Schauspielhaus führte, durch den die Mitarbeiter des Theaters in den Pausen mal kurz auf ein Getränk vorbei kamen. Heute bietet das Schauspielhaus selbst Gastronomie an und der Tunnel blieb deshalb geschlossen.

Von der Bar führt eine Tür ins Casino, das winzig ist und heute nur noch einen Billardtisch beherbergt.

Unter dem Hotel gibt es eine 6-stöckige (!) Garage, die leider nicht mehr genutzt werden kann. Die heutigen Autos sind einfach zu groß dafür und der Parkvorgang dauert etwa eine Viertelstunde, weil die Autos dort mit einer Art Paternoster rein und raus gebracht wurden. Leider steht auch diese Garage unter Denkmalschutz, so dass noch keine Lösung gefunden wurde, sie anderweitig nutzen zu können. Welch eine Platzverschwendung!

Das war eine sehr interessante Führung und zum Abschied gab es sogar noch einen Blaubeer-Muffin, der echt lecker war. Ganz klar war das auch eine Art Werbeveranstaltung für das Hotel, aber das ist doch vollkommen in Ordnung, wenn man dafür so viele Geschichten erzählt bekommt.

Herr Grillenscheucher und ich sind hinterher um das Hotel rum gegangen. Es hat an einigen Zimmern Mini-Balkone, die man nicht betreten kann, weil es leider keine Balkontüren gibt.

Über den Hansaplatz sind wir zurück Richtung U-Bahn gegangen und haben unterwegs die vielen Altbauten bewundert. Wunderbar, was dort alles erhalten blieb.

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