Die Mär von den Lichtkeimern

Wer schon mal selbst Saat in oder auf die Erde gebracht hat, kennt das sicher. Man kauft ein Saattütchen und liest aufmerksam die darauf gedruckte Anleitung. Brauchen die Pflanzen, die aus der Saat entstehen sollen, viel oder wenig Sonne? Wann darf die Saat gesät werden? Braucht sie womöglich noch eine Kältephase zum Keimen? Wie tief muss sie in die Erde?

Letztere Frage wird bei vielen Pflanzen mit folgenden Sätzen beantwortet: „Saat nur andrücken! Nicht mit Erde bedecken!“. Hui, schon die Ausrufezeichen machen einen nervös. Es muss also Licht an die Samenkörner kommen, aber wenn ich sie nur an die Erde drücke, dann werden sie vom nächsten Windstoß weg geweht, sobald die Erde ein bisschen trockener geworden ist als zum Zeitpunkt der Aussaat. Leider kann ich nicht tagelang neben der frischen Saat stehen und sie immer, wenn die Erde zu trocken wird, mit Wasser bestäuben. (Das wäre sicher mal eine tolle Aufgabe, bei der man richtig von jeder Aufregung runter kommt. 😉 )

Dieses Jahr habe ich versucht, die Lichtkeimer mit Plastikplanen vorm Wegfliegen zu bewahren.

Diejenigen, die in Saatbändern kamen, wurden damit auch davor geschützt, dass Vögel die Bänder für ihren Nestbau ab transportieren. Aber so richtig geklappt hat das nicht. Gut, es gab keinen Vogel-Klau, aber das Keimen gestaltete sich doch eher schwierig, obwohl das Wetter perfekt dafür war. Nur vereinzelt ging die Saat auf.

Herr Grillenscheucher erwähnte, dass er trotz aller Anweisungen auf den Saattütchen ein bisschen Erde auf die angeblichen Lichtkeimer tat und dass das der Saat viel besser tat. Also habe ich das auch gemacht und siehe da: endlich tat sich was! Lichtkeimer, von wegen… Natürlich habe ich keine empirische Forschung betrieben, aber bei mir scheint die Saat von Lichtkeimern besser aufzugehen, wenn sie nicht gänzlich schutzlos ausgeliefert sind, sondern ein bisschen Erde über der Saat haben.

Trotzdem sah es immer noch seltsam aus in den Kästen. Die Pflänzchen guckten nur stellenweise aus der Erde und der Rest blieb Erdwüste. Das habe ich so noch nie erlebt.

Tja, da hilft alles nichts und ich muss die Pflanzen pikieren. Etwas, wovor ich mich immer gern drücke, denn ich habe schlicht Angst, dabei die Wurzeln der Pflänzchen zu sehr zu verletzen, so dass sie nicht erneut anwachsen. Aber so konnte es ja nun mal auch nicht bleiben, gell.

Und was soll ich sagen? Das Pikieren scheint gelungen zu sein. Puh, ich bin erleichtert!

Nun darf ich wieder auf üppig gleichmäßig bewachsenen Kästen hoffen. 🙂

 

 

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