Salerno und überraschend verliebt

Welch ein Glück, dass ich unbedingt Briefmarken kaufen und die letzten Postkarten abschicken wollte. 🙂 Wer weiß, ob wir sonst überhaupt in Salerno von Bord gegangen wären. Herr Grillenscheucher hatte vor der Reise nichts Vielversprechendes im Internet über diese Stadt gelesen und mir hatte eine Freundin erzählt, dass sie früher aus familiären Gründen öfter dort war und Salerno pottenhässlich fand.

Vom Schiff aus sah Salerno gar nicht so schlecht aus. Vor allem der grandiose Sonnenschein. 😉

Nachdem Herr Grillenscheucher und ich in Ruhe aufgestanden waren und ebenso in Ruhe gefrühstückt hatten, sind wir auf die Briefmarken-Suche gegangen. Man durfte den Hafen nicht zu Fuß durchqueren, sondern musste einen Bus nehmen. Die TUI verlangte mal wieder 9 € pro Nase, aber eben weil man nicht zu Fuß gehen durfte, gab es auch einen kostenlosen Hafenshuttle. Es war gar nicht so einfach, den zu finden. Wer braucht schon eine Ausschilderung, wenn man auch das Gespräch suchen kann? 🙄 Schließlich saßen wir im richtigen Bus und wurden gerade mal 200 m durch den Hafen kutschiert. Der TUI-Bus fuhr noch etwa 500 m weiter, hätte uns aber diverser Anblicke beraubt. Und außerdem muss man sich doch ernsthaft fragen, wieso 700 m hin plus 700 m zurück 9 € kosten.

Auf besagten 500 m kamen wir an einem Fischladen vorbei und hatten einen grandiosen Blick auf das Kastell.

Dann erreichten wir die Hafenpromenade mit einem wunderhübschen Park, in dem gerade das Leben tobte. Kein Wunder, denn es war ja Samstag und die Sonne schien. Einen kleinen Strand gibt es dort auch, allerdings ist das Baden im Meer verboten.

Irgendwann mal fuhr dort offenbar mal eine Bahn und direkt am Park gibt es eine Menge imposante Bauten.

Wir wandten uns ein bisschen ungern vom Park und Meer ab und schlenderten durch die Haupteinkaufsstraße.

Unterwegs fragte Herr Grillenscheucher in jedem auffindbaren Tabacchi nach Briefmarken und so langsam gewannen wir den Eindruck, dass das heute wegen Samstag nichts mehr wird. Die Post am Bahnhof hatte natürlich geschlossen und auch keinen Briefmarken-Automaten. So ein Mist! Wir bewunderten eine leider geschlossene Kirche direkt am Bahnhof.

Etwas unschlüssig standen wir gleich daneben an einer Kreuzung rum und ich warf zum Glück noch einen Blick zurück. Ha, ein weiterer Tabacchi! Und dieser hatte tatsächlich Briefmarken und sogar welche für’s Ausland. Juchuh, die Postkarten konnten auf die Reise gehen und wir konnten ohne weitere Aufgabe Salerno genießen. Kreuz und quer sind wir gelaufen – zuerst Richtung Kathedrale.

 

Die Kathedrale hat uns total beeindruckt. Es gibt einen ganz stillen Innenhof, in den man durch zwei verschiedene Torbögen kommt.

Rein geht es durch ein weiteres Tor und dort haben wir auch nicht schlecht gestaunt.

In der Krypta allerdings haben wir vor lauter Staunen den Mund gar nicht mehr zu gekriegt. Die Wände und Decken waren über und über bemalt und verziert. Es fiel mir echt schwer, nicht in irgendeiner Form laut zu werden vor lauter Begeisterung. Aber sowas ist eben unangebracht an solchen Orten und ganz besonders dann, wenn dort gerade betende Menschen sitzen. Das hielt allerdings irgendeinen Touristen-Trottel (wahrscheinlich einer von unserem Schiff) nicht davon ab, quer durch den Raum seiner Frau irgendeine seiner Beobachtungen zuzurufen. Himmel, war das peinlich! Seiner Frau auch, die allerdings trotzdem weder die Schultern noch die Knie bedeckt hatte, wie es in katholischen Kirchen Usus ist. Ich glaube, ich werde diese Menschen nie verstehen, die andere Lebensgewohnheiten so komplett ignorieren.

Anschließend saßen Herr Grillenscheucher und ich eine Weile auf den Stufen vor der Kathedrale und haben verschnauft. Donany auch.

 

Nachdem vor allem ich mich erholt hatte, ging es weiter bergauf. Wir suchten den Giardini della Minerva und kamen durch irrwitzig schmale Gassen, über Plätze und an Kirchen vorbei. Wow, ist das eine grandios verwinkelte Stadt!

Nach vielen Höhenmetern hatten wir endlich den Minerva-Garten erreicht, um dort festzustellen, dass er Eintritt kostet. Wie blöd, denn um den auszunutzen, hatten wir leider nicht mehr genug Zeit. Also musste ein Blick hinein genügen und dann ging es für uns wieder abwärts.

Noch eine Gasse und eine verschlafene Katze und dann sahen wir einen öffentlichen Fahrstuhl. Der Blick von dort oben über die Dächer war wunderbar.

 

Unten mit dem Fahrstuhl angekommen standen wir auf der Piazza Matteo D’Aiello, deren Häuserwände alle mit Gedichten bemalt wurden. Was für eine tolle Idee!

Herr Grillenscheucher und ich schlürten weiter durch die Gassen und ich wünschte mir allmählich einen Ort zum Rasten, Essen und Trinken. Mein Wunsch wurde fast prompt erfüllt. Vorher gab es weitere Gassen, Läden und Hausfassaden.

Wir hatten die Wahl zwischen zwei sehr hübschen Cafés und nahmen das, vor dem ein Tisch mit einem Aschenbecher drauf stand. Klar, oder? Herr Grillenscheucher verhandelte mit der Bedienung um die Belege auf unserem Panini und heraus kam eine sehr leckere Kombination aus Schinken, Tomaten und Mozzarella. Der leckere Cappuccino war so schnell ausgetrunken, dass es nur noch ein Posthum-Foto gab. Und Donany hat sich auch sehr wohl gefühlt.

Das Café gegenüber sah auch sehr einladend aus, allerdings saßen davor diverse eher seltsame Typen, die ich links einfach aus dem Foto geschnitten hab.

Wohlig gestärkt haben wir uns auf den Weg zurück Richtung Schiff gemacht und wir konnten uns kaum satt sehen an dieser schönen, leicht morbiden Stadt. Vollkommen überraschend hatten wir uns in Salerno verliebt.

Auf unserem Weg zurück zum Schiff kamen wir an einem weiteren Park vorbei und haben uns dort glücklich noch ein bisschen aufgehalten.

Unterwegs haben wir ein sehr „interessantes“ Schild an einem Behindertenparkplatz gesichtet, auf dem steht: „Willst Du meinen Parkplatz? Dann nimm meine Behinderung.“. Ob das wohl hilft?

Hach, ich hätte bleiben mögen in dieser wunderhübschen Stadt! Aber wir mussten ja zurück aufs Schiff. Auf dem Weg dorthin gab es weitere interessante Häuser zu betrachten bis wir an der Bushaltestelle am Hafen saßen und warteten, warteten und warteten.

Wir waren geduldig, denn wir hatten ja auch keine Eile. Schließlich kamen wir an unserem Lieblingsschiff an und hatten im Hafen freies WLAN.

Hach, wie gut, dass wir Briefmarken kaufen mussten! Darüber haben wir uns noch den ganzen Abend gefreut und natürlich auch über Salerno, das so viel schöner war als wir es erwartet hatten.

Das Auslaufen haben wir wie üblich von der Aussichtbar beguckt.

Das erste Mal auf dieser Reise sagten uns die Speise-Ideen im Atlantic überhaupt nicht zu. Deshalb gab es als Vorspeise Erdnüsse im Casino, während wir das Spiel HSV gegen wen-auch-immer guckten, das dort gerade übertragen wurde. Eigentlich sind wir beide nicht sonderlich am Bundesliga-Fußball interessiert, aber dass der HSV mal wieder kurz vorm Abstieg stand, hatten wir natürlich mitbekommen. Nach all den Jahren der Zitterpartien am Saisonende sollte es doch langsam mal klappen mit der zweiten Liga. Dieses Spiel trug allerdings nicht dazu bei: Überraschenderweise gewann der HSV und spielte gar nicht schlecht.

Danach haben wir das Essen im La Vela probiert und waren ziemlich enttäuscht. Frisch ist echt was anderes. Ein Burger im Cliff 24 wäre vermutlich leckerer gewesen… Aber gut, kein Urteil ohne Test, gell.

2 thoughts on “Salerno und überraschend verliebt

  1. Auch ich hab mich in Salerno absolut schockverliebt.

    Und der Espresso im Caffè Italiano (Via dei Mercanti 83) war vielleicht der beste, den ich je getrunken habe. Tolle Crema, fast schon dickflüssig – nee, ich hör jetzt mal mit dem Schwärmen auf.

    Aber wenn euch mal wer sagt, Salerno sei häßlich – glaubt kein Wort.
    Es ist eine der schönsten Städte, die ich in Italien kenne. Und ich kenne recht viele,

  2. Ach, und was Touristen in der Krypta angeht:

    Das hat nicht nur etwas mit Lebensgewohnheiten zu tun. Ein Gotteshaus / Tempel / whatever ist ein Ort der Ruhe, der Besinnung und der Meditation (nein, das ist nicht unbedingt eine asiatische Erfindung). Viele Leute nutzen ihn auch so. Und es ist wichtig für sie.

    Wer das nicht respektiert, ist ein Barbar – er trampelt nicht nur auf den Gefühlen anderer Menschen herum, sondern ignoriert diese Menschen einfach.

    Versteht mich nicht falsch: Ich bin nicht religiös. Aber ich habe Respekt für die Religion anderer Leute – auch wenn ich sie nicht akzeptiere.

    Und das erwarte ich auch von jedem anderen.

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