Die Geschichte von N.

N. ist eine der entzückenden MItpatientinnen, die Herr Grillenscheucher und ich bei den 3 Eichen kennengelernt haben. Sie war wegen einer Problemschwangerschaft dort im Krankenhaus und es war klar, dass es eine Frühgeburt werden würde. Das ist ja nun heutzutage nicht unbedingt so ein Drama. In diesem Fall aber schon.

Die Ärzte waren nämlich der Meinung, dass die Überlebenschancen des Kindes eher gegen Null gehen würden. Sie insistierten, dass N. und der Kindesvater über eine – in dem Fall sehr späte – Abtreibung nachdenken sollten. 😮 Die beiden trugen ihr Los extrem tapfer, ehrlich und offen.

Dann gab es doch noch eine weitere Untersuchung, die erst in einer bestimmten Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann. Ergebnis: der dafür zuständige Arzt befand, dass kaum ein Problem existiert. Infolgedessen war auch bis dahin gar keine Entscheidung über Abtreibung oder nicht zu treffen gewesen. Warum wurde bloß diese Untersuchung zuerst abgewartet? Da ist man doch nur noch fassungslos, oder?

Inzwischen ist N.s Kind geboren und wächst auf der Frühchen-Station stetig vor sich hin. Herr Grillenscheucher und ich bekommen viele Fotos über die Entwicklung per WhatsApp und freuen uns super mit den Eltern mit.

Einschlafhilfe Fernseher

Während meiner ersten Zeit im Krankenhaus funktionierten die Fernseher dort nicht. Man konnte natürlich eine Fernseh-Prepaid-Karte kaufen, aber eben nicht damit fernsehen. Täglich gab es motzende und genervte Patienten deshalb am Empfangstresen – zu Recht! Da ich zu Hause keinen Fernseher habe und zu der Zeit ja auch noch ziemlich mobil unterwegs war, war mir das egal. Eher taten mir die Mitpatienten leid.

Aber in der Zeit habe ich auch gelernt, dass es nachts ganz schön laut sein kann im Krankenhaus und es dann vielleicht doch angenehm ist, mit Kopfhörern auf den Ohren vom Fernseher bedöselt zu werden bis ich schlafen kann. Zumal ich ja nach der OP nicht gleich wieder durch die Krankenhausgänge stromern können würde. Also gab es für meine zweite Zeit im Krankenhaus das volle Programm (zum Glück funktionierten die Fernseher inzwischen wieder): Fernsehkarte, Kopfhörer, Donany, eigenes Kopfkissen.

Und das war gut so, denn längst hatte ich ja andere Zimmergenossen und diese bekamen mitten in jeder Nacht neue Infusionen gelegt – inklusive Einschalten des gleißenden Deckenlichts und lauter Gespräche mit dem Nachtpfleger. 🙁

Bei der Gelegenheit konnte ich zum Xten Mal in meinem Leben feststellen, dass mich das Fernsehprogramm überhaupt nicht mehr interessiert, sondern nur langweilt. Also kann ich beruhigt weiter auf so einen hässlichen Kasten in meiner Wohnung verzichten.

Warten, warten, warten

Nichts tut man in einem Krankenhaus so viel wie Warten. Warten aufs Essen, die Visite, Ärzte, Schwestern und Pfleger, Untersuchungen, Ergebnisse, Informationen. Vor allem auf letztere! Da fing mal alles so gut an mit dem Pieper, der nicht gepiept hat. Dann nach meiner Aufnahme mit der Abfrage unserer Handynummern, über die sie sich melden wollten, wenn wir gesucht werden, aber auch kein Handy klingelte. Stattdessen bekam ich immer wieder zu hören: „Frau Grillenscheucher, Sie wurden gesucht.“. 😮

Es war ein Ding der Unmöglichkeit, bei der vormittäglichen Visite von den Ärzten oder irgendwann am Tag von den Schwestern oder Pflegern eine Antwort auf die Frage, was anliegt, zu bekommen. Es war als träfen sie ihre Entscheidungen immer ganz spontan und als Patient hat man ja schließlich im Bett zu liegen und eben zu warten. Dabei wäre ich allerdings verrückt geworden. Ich musste raus aus diesem 3-Bett-Zimmer.

In dieser Anfangszeit war das Wetter meistens gut genug für Spaziergänge im Park, wo Herr Grillenscheucher und ich immer nach Bob, dem Baumeister sahen. Dieser spezielle Maulwurf hatte sich für seine Hügel nämlich hellen Sand und keine dunkle Muttererde ausgewählt und einmal konnten wir beobachten, wie ein Hügel ein wenig größer wurde.

Zu den 3 Eichen

Eineinhalb Wochen haben sie mich für 3 Untersuchungen im Krankenhaus fest gehalten. Dabei hätte jede Untersuchung ambulant durchgeführt werden können. Ein großes Glück, dass Herr Grillenscheucher mich jeden Tag besuchen kam, mir leckeres selbst gekochtes Essen mitbrachte und mit mir Spaziergänge im Krankenhauspark unternahm. So ein Segen, dass es ihn in meinem Leben gibt.

Ein anderer Segen war der Treffpunkt zu den 3 Eichen. Ein Unterstand in einem Innenhof des Krankenhauses, in dem 3 Eichen standen und gern mal scharf mit den Eicheln auf das Blechdach schossen. (Aber es konnte ja wenig passieren, denn schließlich waren wir im Krankenhaus.) Dort traf sich unsere „Selbsthilfegruppe“ zum Quatschen, Lachen und Rauchen. Natürlich mit ständig wechselnder Besetzung, denn die einen wurden entlassen und andere kamen neu hinzu. Selbst mitten in der Nacht konnte man dort manchmal noch Gesellschaft finden. Die unglaublichsten Geschichten haben wir dort gehört und viele, viele Tipps ausgetauscht. Survival im Krankenhaus…

Ich bin sehr dankbar, all diese lieben, erstaunlichen Menschen getroffen zu haben und mit ihnen zusammen unsere Situation ein wenig erleichtert zu haben. Deshalb hat diese Rubrik in meinem Blog auch das Titelbild mit den 3 Eicheln, die mir Herr Grillenscheucher extra an meinem letzten Krankenhaustag eingesammelt hat.

Pommes rot-weiß

Natürlich dauerte es noch eine Weile, bis ein Bett für mich organisiert war. Und natürlich war bis dahin das Abendessen dieses Tages längst Geschichte. Deshalb hatten Herr Grillenscheucher und ich uns vorgenommen, im Schweinske, das direkt gegenüber vom Krankenhaus war, essen zu gehen.

Die Nachtschwester, die mich auf der Station empfing, fand die Idee nicht so toll. Mit dem Armbändchen des Krankenhauses am Handgelenk darf man das Gelände desselben nämlich eigentlich nicht verlassen.Vermutlich aus Gründen des Versicherungsschutzes oder so. Zum Glück wird man trotzdem weder kontrolliert noch eingesperrt.

Sie gab uns noch mit, dass die Besuchszeit um 20 Uhr endet. Bis dahin sollten wir also zurück sein. Eine Bestätigung dieser Regelung fanden wir allerdings nirgendwo. Lediglich gab es an den Türen mancher Stationen den Hinweis, dass in diesen die Besuchszeit um 22 Uhr endet. Ich glaube ja nach wie vor, dass die Schwester das nur sagte, damit die beiden alten Damen, mit denen ich das Zimmer teilte, wie gewohnt früh einschlafen konnten.

Also gab es Pommes rot-weiß. Nicht, dass das mein Lieblingsessen wäre, aber es war das einzige, was ich mir in diesem Lokal vorstellen konnte. Und brav waren wir um 20 Uhr zurück. Meine erste Nacht im Krankenhaus brach an.