Laubgeraschel nach der OP

Genau eine Woche nach der OP wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Die Eltern von Herrn Grillenscheucher holten uns ab und brachten uns in seine Wohnung. Endlich raus aus dem Krankenhaus! Und vor allem die Aussicht, vorerst nur noch ambulant behandelt zu werden, war unglaublich erleichternd.

Als allererstes habe ich mir im breiten Bett die eine Hüfte derart verlegen, dass ich kaum schlafen konnte. Herrjeh, als hätte ich kein anderes Problem. Aber dennoch: Wir hatten ein paar sehr schöne Tage bei Herrn Grillenscheucher mit Besuchen, Ausflügen, Spaziergängen und viel Laubgeraschel. Sogar zum Hafen sind wir gefahren und mit der Elbfähre nach Finkenwerder und zurück. In unserem Lieblingscafé waren wir auch.

Wir haben den Geburtstag von Herrn Grillenscheucher zu Hause verbringen dürfen und waren mit den Eltern von Herrn Grillenscheucher auf dem Elbdeich, wo wir einen wunderschönen Herz-Drachen steigen sahen.

Natürlich standen Arztbesuche und Vorbereitungen für die nächsten Behandlungen, aber zwischendurch hatten wir Zeit für uns und gute Dinge.

 

Die Geschichte von N.

N. ist eine der entzückenden MItpatientinnen, die Herr Grillenscheucher und ich bei den 3 Eichen kennengelernt haben. Sie war wegen einer Problemschwangerschaft dort im Krankenhaus und es war klar, dass es eine Frühgeburt werden würde. Das ist ja nun heutzutage nicht unbedingt so ein Drama. In diesem Fall aber schon.

Die Ärzte waren nämlich der Meinung, dass die Überlebenschancen des Kindes eher gegen Null gehen würden. Sie insistierten, dass N. und der Kindesvater über eine – in dem Fall sehr späte – Abtreibung nachdenken sollten. 😮 Die beiden trugen ihr Los extrem tapfer, ehrlich und offen.

Dann gab es doch noch eine weitere Untersuchung, die erst in einer bestimmten Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann. Ergebnis: der dafür zuständige Arzt befand, dass kaum ein Problem existiert. Infolgedessen war auch bis dahin gar keine Entscheidung über Abtreibung oder nicht zu treffen gewesen. Warum wurde bloß diese Untersuchung zuerst abgewartet? Da ist man doch nur noch fassungslos, oder?

Inzwischen ist N.s Kind geboren und wächst auf der Frühchen-Station stetig vor sich hin. Herr Grillenscheucher und ich bekommen viele Fotos über die Entwicklung per WhatsApp und freuen uns super mit den Eltern mit.

Einschlafhilfe Fernseher

Während meiner ersten Zeit im Krankenhaus funktionierten die Fernseher dort nicht. Man konnte natürlich eine Fernseh-Prepaid-Karte kaufen, aber eben nicht damit fernsehen. Täglich gab es motzende und genervte Patienten deshalb am Empfangstresen – zu Recht! Da ich zu Hause keinen Fernseher habe und zu der Zeit ja auch noch ziemlich mobil unterwegs war, war mir das egal. Eher taten mir die Mitpatienten leid.

Aber in der Zeit habe ich auch gelernt, dass es nachts ganz schön laut sein kann im Krankenhaus und es dann vielleicht doch angenehm ist, mit Kopfhörern auf den Ohren vom Fernseher bedöselt zu werden bis ich schlafen kann. Zumal ich ja nach der OP nicht gleich wieder durch die Krankenhausgänge stromern können würde. Also gab es für meine zweite Zeit im Krankenhaus das volle Programm (zum Glück funktionierten die Fernseher inzwischen wieder): Fernsehkarte, Kopfhörer, Donany, eigenes Kopfkissen.

Und das war gut so, denn längst hatte ich ja andere Zimmergenossen und diese bekamen mitten in jeder Nacht neue Infusionen gelegt – inklusive Einschalten des gleißenden Deckenlichts und lauter Gespräche mit dem Nachtpfleger. 🙁

Bei der Gelegenheit konnte ich zum Xten Mal in meinem Leben feststellen, dass mich das Fernsehprogramm überhaupt nicht mehr interessiert, sondern nur langweilt. Also kann ich beruhigt weiter auf so einen hässlichen Kasten in meiner Wohnung verzichten.

Laubgeraschel vor der OP

Nach eineinhalb Wochen und 3 Untersuchungen im Krankenhaus war immer noch nicht klar, wo eigentlich der Herd der Metastasen in meinem Kopf ist. Es sollte auch noch eine ganze Weile dauern bis der gefunden wurde. Klar war aber, dass die Metastasen raus aus meinem Kopf müssen. Man gab mir endlich Cortison, was meine Bewegungsfähigkeit deutlich verbesserte, und plante einen OP-Termin.

Ein Glück durfte ich vorher nochmal für ein paar Tage nach Hause – Hafterleichterung. Die Eltern von Herrn Grillenscheucher holten uns ab und brachten uns mit leckerem Kuchen in die Wohnung von Herrn Grillenscheucher. Herrlich: Latte Macchiato mit Kuchen am Tisch! Ein ganz anderes Gefühl als auf dem Krankenhausbett am Nachttisch zu essen.

Herr Grillenscheucher und ich verbrachten ein verlängertes Wochenende im Laubgeraschel mit Spaziergängen um den Appelhoffweiher.

Und zu unserem großen Glück konnten wir unseren 20. Jahrestag bei Herrn Grillenscheucher zu Hause statt im Krankenhaus verbringen. Wir versuchten zu verstehen, was uns das Leben gerade vor die Füße geschmissen hat. Was uns nicht wirklich gelang. Ich füllte eine Menge Vorsorgeunterlagen aus, damit Herr Grillenscheucher handlungsfähig bleibt, sollte irgendwas total schief gehen. Danach fühlte ich mich zumindest etwas beruhigt.

Tja, und dann kam der Tag, an dem ich zurück ins Krankenhaus musste. Ein Dienstag. Am Mittwoch sollte die geplante OP stattfinden. Wieder fuhren uns die Eltern von Herrn Grillenscheucher und gaben mir aufmunternde Geschenke und ganz, ganz tolle selbst gestrickte Bettsocken mit. 🙂

Wir begaben uns auf meine Station, wo wir eher irritiert empfangen wurden. Dringendere Fälle wären zu operieren und meine OP müsse verschoben werden. Ja, haben die denn die Entwicklung der letzten 100 Jahre oder so verpasst??? Wozu gibt es eigentlich Telefone??? Unfassbar!!!

Der Arzt, mit dem es deshalb ein kurzes Gespräch gab, kotzte sich bei uns eigentlich auch nur über die Zustände im Krankenhaus aus. Und so ging es für weitere 2 Tage zurück in die Wohnung von Herrn Grillenscheucher. Seine Eltern waren längst unterwegs zu anderen Terminen und weil es in Strömen regnete, gönnten wir uns ein Taxi. Teuer, aber mit einer sehr lustigen Fahrerin mit knallrot gefärbten Haaren und einem sehr angenehmen Parfum.

Letztlich fand die OP am Freitag statt. Der Donnerstag war ein Feiertag, an dem ich zurück ins Krankenhaus musste. Abends gab’s zur Nervenberuhigung nochmal Wein im Schweinske.