Zu den 3 Eichen

Eineinhalb Wochen haben sie mich für 3 Untersuchungen im Krankenhaus fest gehalten. Dabei hätte jede Untersuchung ambulant durchgeführt werden können. Ein großes Glück, dass Herr Grillenscheucher mich jeden Tag besuchen kam, mir leckeres selbst gekochtes Essen mitbrachte und mit mir Spaziergänge im Krankenhauspark unternahm. So ein Segen, dass es ihn in meinem Leben gibt.

Ein anderer Segen war der Treffpunkt zu den 3 Eichen. Ein Unterstand in einem Innenhof des Krankenhauses, in dem 3 Eichen standen und gern mal scharf mit den Eicheln auf das Blechdach schossen. (Aber es konnte ja wenig passieren, denn schließlich waren wir im Krankenhaus.) Dort traf sich unsere „Selbsthilfegruppe“ zum Quatschen, Lachen und Rauchen. Natürlich mit ständig wechselnder Besetzung, denn die einen wurden entlassen und andere kamen neu hinzu. Selbst mitten in der Nacht konnte man dort manchmal noch Gesellschaft finden. Die unglaublichsten Geschichten haben wir dort gehört und viele, viele Tipps ausgetauscht. Survival im Krankenhaus…

Ich bin sehr dankbar, all diese lieben, erstaunlichen Menschen getroffen zu haben und mit ihnen zusammen unsere Situation ein wenig erleichtert zu haben. Deshalb hat diese Rubrik in meinem Blog auch das Titelbild mit den 3 Eicheln, die mir Herr Grillenscheucher extra an meinem letzten Krankenhaustag eingesammelt hat.

Pommes rot-weiß

Natürlich dauerte es noch eine Weile, bis ein Bett für mich organisiert war. Und natürlich war bis dahin das Abendessen dieses Tages längst Geschichte. Deshalb hatten Herr Grillenscheucher und ich uns vorgenommen, im Schweinske, das direkt gegenüber vom Krankenhaus war, essen zu gehen.

Die Nachtschwester, die mich auf der Station empfing, fand die Idee nicht so toll. Mit dem Armbändchen des Krankenhauses am Handgelenk darf man das Gelände desselben nämlich eigentlich nicht verlassen.Vermutlich aus Gründen des Versicherungsschutzes oder so. Zum Glück wird man trotzdem weder kontrolliert noch eingesperrt.

Sie gab uns noch mit, dass die Besuchszeit um 20 Uhr endet. Bis dahin sollten wir also zurück sein. Eine Bestätigung dieser Regelung fanden wir allerdings nirgendwo. Lediglich gab es an den Türen mancher Stationen den Hinweis, dass in diesen die Besuchszeit um 22 Uhr endet. Ich glaube ja nach wie vor, dass die Schwester das nur sagte, damit die beiden alten Damen, mit denen ich das Zimmer teilte, wie gewohnt früh einschlafen konnten.

Also gab es Pommes rot-weiß. Nicht, dass das mein Lieblingsessen wäre, aber es war das einzige, was ich mir in diesem Lokal vorstellen konnte. Und brav waren wir um 20 Uhr zurück. Meine erste Nacht im Krankenhaus brach an.

Der richtige Bus

Am nächsten Tag stiegen wir in den richtigen Bus. 😉 Im Klinikum Nord sollten wir uns in der Notaufnahme melden. Niemand wunderte sich dort, dass wir nicht schon einen Tag früher gekommen waren. Sie hatten nämlich gar nicht gestern mit uns gerechnet. Die Ärztin im Krankenhaus Barmbek hatte schließlich am Montag nach Mitternacht, also am Dienstag, dort angefragt, ob sie mich aufnehmen würden. Folglich war „morgen“ eben Mittwoch und also waren wir pünktlich.

Natürlich war wieder längeres Warten angesagt, aber Herr Grillenscheucher und ich bekamen einen Pieper, über den sie uns anfunken würden, wenn wir dran sind. So konnten wir inzwischen Kaffee trinken gehen und einen kleinen Spaziergang durch den schönen Park auf dem Krankenhausgelände machen. Und der Pieper machte Hoffnung auf eine gute Organisation in diesem Krankenhaus.

Gepiept hat der Pieper allerdings nicht und es war eher Zufall, dass wir mitbekamen, dass nach uns gesucht wurde. Ein weiteres Untersuchungszimmer, ein weiterer Arzt, der auf sich warten ließ. Auch er redete von den Raumforderungen, aber dieses Mal gab es eine Übersetzung: ein Tumor oder Metastasen. In jedem Fall müsse ich dort bleiben, damit sie eine Magnetresonanztomographie (MRT) machen können. Danach würde wahrscheinlich eine Operation notwendig sein.

Auch wenn der Arzt versuchte, uns ein paar Minuten zu geben, damit wir die neuen Informationen verdauen könnten – sie haben nicht geholfen. Und schon gar nicht seine Bemerkung, man würde sich in solchen Momenten fragen: „Warum ich?“. Ich konnte überhaupt nicht wirklich erfassen, was seine Worte bedeuteten, außer dass ich im Krankenhaus bleiben soll. Mit philosophischen Fragen konnte ich mich nicht befassen. Stattdessen versuchte ich, den Arzt zu überreden, das MRT ambulant machen zu dürfen, und hatte leider keinen Erfolg. 🙁

Der falsche Bus

Dank der späten Uhrzeit wurde es auch am nächsten Tag später bis Herr Grillenscheucher und ich bereit waren, wieder in ein Krankenhaus zu fahren. Dieses Mal mit Bus und Bahn in einen uns eher unbekannten Teil von Hamburg. Natürlich hatten wir vorher geguckt, wie wir mit den Öffis ins Klinikum Nord kommen. Aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass es quasi aus zwei Teilen besteht, die jeweils eine eigene Bushaltestelle haben, die wiederum identisch heißen.  Allerdings werden sie von zwei verschiedenen Buslinien angefahren, die am selben Bahnhof abfahren. 😯

So kam es, dass wir in den falschen Bus einstiegen und am Nachmittag im psychiatrischen Teil des Klinikums landeten. Dort irrten wir eine Weile über das Gelände, aber weit und breit war kein Mensch zu sehen, den wir nach dem Weg hätten fragen können.

Wir versuchten noch, zu Fuß an unser Ziel zu gelangen, was laut Smartphone eine längere Wanderung bedeutet hätte, so dass wir wieder erst abends in einer Notaufnahme ankommen würden. Nach der Erfahrung vom Tag zuvor wollten wir das möglichst vermeiden. So beschlossen wir, uns einfach noch eine Nacht zu Hause zu gönnen. Und das war auch gut so. Denn es wurde der letzte Abend in ungewisser Unschuld.

 

Ein Arztbesuch und alles ist anders

Weil es mir eher schlechter als besser ging nach meinem letzten Beitrag hier, bin ich an einem Montag zum Hausarzt gegangen. Und wurde von dort unter allen Vorsichtsmaßnahmen direkt ins Krankenhaus gefahren – sogar mit Tatütata. 😯 Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Nicht mal nach Hause durfte ich noch, um ein paar Sachen einzupacken. Der Verdacht war ein Schlaganfall.

Zum Glück war Herr Grillenscheucher bei mir. In der Notaufnahme vom Krankenhaus Barmbek wurde ich direkt in ein Untersuchungszimmer gebracht, wo wir dann die halbe Nacht verbringen mussten. Ab ungefähr 18 Uhr haben wir die meiste Zeit nur gewartet. Ein paar Untersuchungen wurden gemacht und ganz spät eine Computertomographie (CT) vom Kopf, weil sie die vergessen hatten. Ergebnis: es gibt zwei Raumforderungen in meinem Kopf, wie es Ärzte so „hübsch“ formulieren. Was das letztlich genau bedeutet, wurde erst ein paar Tage später durch weitere Untersuchungen klar.

Am liebsten hätten sie mich direkt in ein anderes Krankenhaus, das eine Neurochirurgie hat, eingeliefert. Ich stand aber so unter Schock und konnte einfach keine Krankenhausatmosphäre mehr aushalten. Weil wir versprochen haben, am nächsten Tag selbst in die Asklepios Klinik Nord zu fahren, durften wir mitten in der Nacht doch noch nach Hause. Es war ein kleiner Glücksmoment als wir dort gegen 2 Uhr endlich wieder ankamen.

Für die halbe Nacht im Krankenhaus bekam ich übrigens eine Rechnung über 2 (!!!) Tage, für die ich eine Zuzahlung zu leisten habe. Eine echte Unverschämtheit! 👿 Ich habe ja nicht mal was zu essen oder zu trinken bekommen. Und dass ich das Krankenhaus erst nach Mitternacht wieder verlassen durfte, lag nun ganz sicher nicht an mir.

So also fing meine Krebsgeschichte an, ohne dass an diesem ersten Tag tatsächlich klar war, dass es eine werden würde.