Parodontose-Behandlung

Ich gehöre ja nicht zu den Menschen, die sich bei ärztlichen Diagnosen oder vor ärztlichen Behandlungen durchs Internet lesen. Mich gruselt nämlich so schon genug vor beidem. Für meine heutige Parodontose-Behandlung hatte ich deshalb nur zwei Erfahrungsberichte aus dem richtigen Leben: einer fand die Behandlung furchtbar, einer fand sie gar nicht so schlimm. Für letzteren war ich sehr dankbar, denn sonst wäre ich mit noch mehr Angst hingegangen.

Nun kann ich meinen eigenen Bericht beisteuern: Es war entsetzlich!!! Nicht mal so sehr,  weil es manchmal höllisch weh tat. Viel schlimmer war das Betäuben. Meine Lippen fühlten sich an wie mit Botox aufgespritzt und sogar meine Nase war betäubt. 😮 Immerhin unterließen sie es, meine Zunge noch weiter zu betäuben, nachdem ich mich darüber beschwert hatte. Ziemlich dämlich fand ich die ständige Frage, ob sie weiter machen sollen mit dem Betäuben. Was für eine Frage! Nun fühlte ich mich doch eh schon elend und sollte ich etwa mit dem Wissen, was auf mich zukommt, ein anderes Mal für dasselbe Elend wiederkommen? Nie im Leben hätte ich mich dazu überwinden können.

Mitten in der eigentlichen Behandlung machte mein Kreislauf schlapp. Ich hab es gerade noch so geschafft, mich vor der Ohnmacht wieder aufzurichten. Die Ärztin versuchte, mich zu beruhigen. Sie ist wirklich sehr lieb – an ihr liegt es nicht. Schließlich bot sie an, mich 5 Minuten allein zu lassen. Das hat geholfen und ich konnte die Behandlung tatsächlich bis zum Ende durchziehen.

Der Rat für derartige Behandlungen, also für Behandlungen, die für einen selbst extrem schlimm sind, ist ja immer: Denk an was Schönes, z.B. an den nächsten Urlaub. Für mich habe ich heute festgestellt, dass das nicht funktioniert, dafür aber das genaue Gegenteil. Nach der Kreislauf-Sache habe ich an was gedacht, was mich total aufregt und umtreibt. Dazu habe ich im Kopf diverse Rachepläne geschmiedet und mir ist dabei klar geworden, dass ich vorher unbedingt noch was recherchieren muss. Für mich funktionieren also fiese Arzt-Behandlungen besser, wenn ich über etwas ebenso fieses nachdenke.

Trotz dieser Erfahrung heute gab es auch jede Menge gute Dinge:

  • Eine sehr nette, lustige Besprechung zu einem neuen Projekt von N. Das hat richtig Spaß gemacht.
  • Zum Mittagessen in der Kantine kam ich deshalb zwar zu spät, aber erstens bot die Kantine ein leckeres Essen (Was vor der Parodontose-Behandlung echt wichtig war.) und zweitens blieb D. mit mir am Tisch sitzen bis ich fertig war. Wir hatten aber auch genug dienstlich zu bequatschen.
  • Ich habe die Parodontose-Behandlung überstanden!!! Und bekam hinterher sogar viel Lob von der Ärztin, wie tapfer ich gewesen sei. (Fand ich jetzt nicht, aber gut.)
  • Bonus 1: Herr Grillenscheucher hat mich abgeholt und es war so gut, mich mit meinem wackeligen Kreislauf an seinen Arm hängen zu können. Er hat mich sicher nach Hause gebracht, wo ich mit meinem Elend lieber allein blieb.
  • Bonus 2: Das Gefühl, wenn die Lippen wieder Normalmaß annehmen. Hach, herrlich! Und dann konnte ich auch endlich eine Schmerztablette nehmen und wurde das ekelhafte Gefühl am Zahnfleisch los. Gerade fühlt sich alles fast wieder normal an, wenn man von der Erschöpfung absieht.

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