Satzfetzen

Heute im Supermarkt: „Wer geht denn auch als Frau allein auf den Kiez?“, „Meiner Tochter ist das noch nie passiert!“, „Wenn mich einer anfasst, ist er selber Schuld.“, „Genau!“. Das Gespräch vor mir an der Kasse bezog sich auf die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in der Reeperbahn-Gegend, die es zeitgleich auch in Köln am Hauptbahnhof gab. Ja, nee, is klar! Selbstredend sind die Opfer Schuld, besonders wenn es bei der Tat um Frauen und Sex geht. Ironie an: Man sollte mindestens Mini-Röcke und hochhackige Schuhe verbieten. Wie wäre es mit einer Burka-Pflicht für Frauen, hm? Überhaupt sollten Frauen nicht allein aus dem Haus gehen und schon gar nicht ohne männliche Begleitung. Ironie aus.

Die Übergriffe machen mich wütend; die Debatten, die nun folgen, machen mich zornig. 👿 Die einen geben den Frauen selbst die Schuld und finden sogar, dass man immer die Möglichkeit hat, andere Menschen auf Armeslänge von sich zu halten, wie die Kölner Oberbürgermeisterin. Die Frau war Silvester vermutlich noch nie in einer U-Bahn während der Rush Hour, in einer Disco, am Samstag in einer Innenstadt, auf einem Weihnachtsmarkt oder gar Silvester auf einer Party-Meile. Irgendwie bedauernswert. Die anderen geben den Flüchtlingen die Schuld, weil die Täter ausländisch aussahen. Das können ja nur Flüchtlinge sein, denn es gibt hier ja sonst üüüberhaupt keine Menschen, die nicht deutsch aussehen. Und die Polizei spricht von Gemengelage, Dunkelheit und Schwierigkeiten als würde sie es am liebsten sofort aufgeben, die Täter zu suchen und die Übergriffe aufzuklären. Fühlt sich alles so richtig blöd an.

  • Deshalb habe ich mich heute mal wieder über einen Kommentar von Anja Reschke gefreut, der mir so richtig aus dem Herzen sprach.
  • Der Klempner rief an und vermeldete ausschließlich Gutes über mein Bad. Benutzen kann ich es aber erst morgen, wie ich mir ja schon dachte.
  • Trotz Eiseskälte haben Herr Grillenscheucher und ich einen kurzen Spaziergang zum Weiher gemacht. Die Sonne blinzelte schwach und kraftlos durch die Wolken, aber das Licht tat gut. Der Weiher war bis auf ein paar Löcher zugefroren; auf dem Eis im Schnee Entenspuren. Der Bach hatte Eisränder. Ein Enterich war ganz begeistert ob unserer Ankunft und witterte wohl Brotstückchen. Tja, da lag er falsch und zog beleidigt von dannen.

16_Weiher_gefroren 20_Weiher_gefroren 19_Entenspuren_im_Schnee

21_am_Ufer     22_Wasserloch

09_Enterich 10_Enterich 11_Enterich

13_Enterich 14_Enterich 15_Enterich

2 thoughts on “Satzfetzen

  1. Übrigens – das Konzept des „andere Menschen auf Armeslänge halten“ schockiert mich, speziell da es von Henriette Reker kommt. Wie man auf jeder Nachrichtenseite nachlesen kann, hat das für sie selbst am 17.10.2015 richtig gut funktioniert…

    Jaja, sie hat sich inzwischen entschuldigt. Aber daß jemand mit ihrem Hintergrund überhaupt auf eine solche Formulierung kommen kann, lässt – was Politiker angeht – tief blicken.
    Und nein, das hat nichts mit Parteien zu tun – Frau Reker ist parteilos…

  2. Auch wenn sich Frau Reker entschuldigt hat – der erste Eindruck bleibt bekanntlich. Ob ihrer eigenen Erlebnisse ist es besonders unverständlich, dass gerade sie so was gesagt hat. Mich macht es aber wütend, dass überhaupt irgendwer – sie, die Leute im Supermarkt, egal wer – so etwas äußern. Wenn jemand egal in welcher Situation zum Opfer wird, hat derjenige nur ganz, ganz, ganz selten selbst Schuld. Daran darf es einfach keinen Zweifel geben, finde ich.

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